Militär-Fliegerstation Oberschleißheim

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Der NS-Staat macht indes eifrig Gebrauch von Werft und Flugfeld, vor allem in der Jagdfliegerausbildung. Blindflug und Nachtjagd stehen auf dem »Lehrplan«. Das Nachtjagdgeschwader 101 fliegt von Schleißheim aus seine Einsätze.

Unvermeidlich, dass das Fluggelände zunehmend zum Angriffsziel alliierter Bomber wird. Und dann, am 30. April 1945, sind die Amerikaner da, was zu einem interessanten Halterwechsel samt Nachnutzung führt: Die alte »Militär-Fliegerstation Oberschleißheim« wird zur »Schleißheim Army Air Base«. Über dem geschichtsträchtigen Flugfeld dröhnen schwere Sikorsky-Hubschrauber. Ab 1958 sind deutsche Heeresflieger wieder präsent, bald auch der Bundesgrenzschutz.

1968 wird es deutlich ruhiger, als die US-Army abzieht. Auf der Südseite des Platzes wird seit 1965 Flugsport betrieben, bis heute. In den einstigen Junkers-Hallen drängelt sich allerlei Motor- und Segelfluggerät mehrerer Vereine. Schleißheim ist somit der älteste aktive Flugplatz hierzulande. 1981 verlegen die deutschen Heeresflieger nach Penzing – und fast sieben Jahrzehnte Schleißheimer Militärluftfahrt (mit Unterbrechungen) sind schlagartig beendet.

Was bleibt, sind die baufälligen Überreste der Werfthalle und der Kommandantur, für die sich jetzt niemand mehr zuständig fühlt. Genauer: eine Ruine, die eigentlich nur noch auf die Abrissbirne wartet und 1975 als originelle Kulisse für den Kinofilm »Berlinger« (über einen Luftschiff-Visionär) taugte.

Abrissreif …
Das Ende der ehrwürdigen Stätte ist fast schon beschlossene Sache, hätte nicht eine Gruppe von Enthusiasten für Erhalt und Restaurierung gesorgt. Ein Architektur-Wettbewerb favorisiert 1988 einen kühnen Entwurf, der das Alte und Neue mit modernsten Materialien verbinden soll. Und so geschieht es. 1992 wird die neue, alte Flugwerft mit großzügigem Anbau wieder eröffnet – als repräsentativer Luftfahrt-Anhang des Deutschen Museums in München.

Das DM unterhält somit seit 20 Jahren seine fein sortierte Außenstelle samt »gläserner« Restaurierungswerkstatt zwischen alter Kommandantur und neuer Ausstellungshalle. Der aktive Flugplatz drüben ist zwar per Zaun vom Museumsgelände getrennt, aber ein Durchgang mit präparierter Piste sorgt dafür, dass von benachbarten Plätzen bisweilen »Wintergäste« anrollen.

Auch die erst im April eingeflogene Reproduktion der Albatros D.III (Oef) (siehe FLUGZEUG CLASSIC 7/2012) bleibt nur auf absehbare Zeit. Anders der pedantisch genaue Nachbau des Otto-Doppeldeckers, der so untrennbar mit den Königlich Bayerischen Fliegertruppen verbunden ist und die Ausstellung dauerhaft bereichern wird.

Von Stefan Bartmann

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Militär-Fliegerstation Oberschleißheim - Fotos, soweit nicht anders angegeben, Werftverein Schleißheim/Deutsches Museum
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