Militär-Fliegerstation Oberschleißheim

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Dennoch verliert der Flugplatz Schleißheim nach Kriegsende und Demobilisierung keineswegs seine Bedeutung; seine Lage so dicht an München ist für eine künftige zivile Nutzung geradezu ideal. Am 11. April 1921 nimmt der Bayerische Luft-Lloyd die 180-Kilometer-Strecke nach Konstanz auf, mit ehemaligen Militärmaschinen von Rumpler und Albatros.

Zwischenlandungen zum Nachtanken lassen sich bei Gegenwind nicht immer vermeiden, erinnert sich einer der ersten Verkehrspiloten; man landet auf einer passenden Wiese …

Zwischen Luftverkehr und DVS

Bequemer wird das Reisen, als Junkers den modernen Wellblech-Tiefdecker F 13 herausbringt. 1922 beschafft der Lloyd zwei davon. Ein Jahr später übernimmt der Junkers-Luftverkehr die kleine bayerische Fluggesellschaft, und Schleißheim fungiert nur mehr als Reparatur- und Wartungsflugplatz.

Denn das stadtnähere Oberwiesenfeld (das heutige Olympia-Gelände, einst Exerzierplatz) wird Münchens erster richtiger Verkehrsflughafen. Anfangs werden die Maschinen noch jeden Abend nach Schleißheim herübergeflogen, damit sich die Mechaniker daranmachen können! Bis zum Herbst 1929 wird dort der Flugzeugpark der Süddeutschen Lufthansa in Schuss gehalten.

Zu Beginn der 1920er-Jahre wird auch die Sportfliegerei in Schleißheim aktiv. Eine gewagte Einzelleistung bleibt Franz Hailers Flug und Landung auf dem Zugspitzplatt am 19. März 1922 mit einer betagten Rumpler C I auf Skiern. Auch ein bedeutender Fernflug macht in Schleißheim Etappe: Eberhard von Conta und Werner von Langsdorff schinden sich im September 1926 mit einer Messerschmitt M 17 von Bamberg nach Rom.

Fliegerass Ernst Udet, der 1921 in Ramersdorf eine kleine Flugzeugfabrik gegründet hatte, lässt seine Ein- und Doppeldecker in Schleißheim montieren und einfliegen. Fast schon hektisch wird es auf dem großen Areal, nachdem sich 1927 die Deutsche Verkehrsfliegerschule (DVS) breit macht; in Warnemünde, Braunschweig und auf Sylt gibt es weitere dieser Schulen.

Geheime Aufrüstung
Die boomende deutsche Verkehrsluftfahrt braucht Piloten; die DVS kümmert sich um den Nachwuchs und schult ehemalige Weltkriegs-Flieger um. Insgeheim werden auch künftige Militärpiloten für die neu gegründete Reichswehr ausgebildet – eigentlich streng verboten, laut Versailler Vertrag. Doch jeder weiß, was geschieht: Deutschland rüstet wieder auf!

Erst viel später, 1935, wird die Tarnung aufgehoben. So rekrutiert sich ein nicht geringer Teil der künftigen Luftwaffe aus den Reihen der »zivilen« DVS-Flugschüler. Am 1. April 1937 wird in Schleißheim die 25-jährige Gründung mit einer zackigen Parade samt Fahnenübergabe gefeiert – allzu zackig und öde, weshalb General Ernst Udet, inzwischen Chef des Technischen Amtes der Luftwaffe, seinen Unmut darüber per Kraftausdruck verkündet …

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Militär-Fliegerstation Oberschleißheim - Fotos, soweit nicht anders angegeben, Werftverein Schleißheim/Deutsches Museum
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