Militär-Fliegerstation Oberschleißheim

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»Flug-Pioniere«
Schon 1911 hatte man die ersten drei bayerischen Offiziere des Ingenieur-Korps (also der Pioniere) an die Flugschule von August Euler nach Darmstadt befohlen. Sie kehren als Piloten und Fluglehrer nach Schleißheim zurück. Dann, 1912, kommt Schwung in die Sache. Eine Handvoll Zelte, militärisch geradlinig ausgerichtet, dienen als erste Unterkunft. Die gemauerte Kommandantur (die noch heute steht) und zwei Holzschuppen ergänzen das schlichte Ensemble.

Zu den ersten Fluggeräten dort zählen noch die bewährten Doppeldecker aus Eulers Fabrik. Schon früh wird jedoch der Wunsch nach technischer Unabhängigkeit vom preußischen »Ausland« laut. Man setzt auf Flugmaschinen aus heimischer Produktion und landet konsequent bei den »Flugmaschinen-Werken Gustav Otto«.

Der Sohn des Viertaktmotor-Erfinders (und seit 1910 selbst Pilot mit der Lizenz Nr. 34) bietet dem Bayerischen Kriegsministerium einen zweisitzigen Militär-Doppeldecker mit Druckpropeller an, der als Standardtyp in Serie gehen soll.

1912 haben die Bayerischen Fliegertruppen 17 Exemplare des Otto-Militärdoppeldeckers bestellt und erhalten, im Jahr darauf waren es nochmals 46 Stück. Kein Exemplar dieses wenig praktikablen Fluggeräts wird jedoch die Fronten des Ersten Weltkriegs zu sehen bekommen.

Allzu lange bleiben die Bayern diesem technisch längst überholten Fluggerät verhaftet. Ein Dutzend L.V.G.-Doppeldecker sind noch das modernste, das Schleißheim zu bieten hat. Am Tag der Mobilmachung, dem 1. August 1914, sind die Fliegertruppen alles andere als gut gerüstet.

Zwischen 1914–18 bringt Schleißheim als Flieger-Ersatzabteilung fliegendes Personal, also Piloten, Beobachter und Bordschützen hervor. Als reizvolles »Abenteuer« der bayerischen Fliegertruppe geht deren Einsatz im Nahen Osten in die Militärgeschichte ein. Das »Unternehmen Pascha« unterstützt ab 1916 die Türken im Kampf gegen die Briten.

Die bayerische Fliegerabteilung 304b wird 1917 eigens für diesen Zweck in Schleißheim aufgestellt und nach Palästina entsandt. Überhaupt ist der bayerische Einsatz in Palästina eines jener Kriegskuriosa, die erst in jüngster Zeit vollständig erforscht worden sind.

Zurück nach Bayern. Die hochmoderne Werfthalle, großzügige 51 x 27 Meter über freitragenden Spannbetonbindern, ist noch gar nicht fertig, als der Weltkrieg verloren geht und den Deutschen die Fliegerei jahrelang verboten wird. Statt Flugzeuge macht sich Viehzeug in der Werft breit, und mit dem Ende der deutschen Monarchien verschwinden auch die Königlich Bayerischen Fliegertruppen als Fußnote in der Luftfahrtgeschichte.

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Militär-Fliegerstation Oberschleißheim - Fotos, soweit nicht anders angegeben, Werftverein Schleißheim/Deutsches Museum
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