Die »MesserSpit 109« des Fighter Command

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Zwar hatten die meisten Flugzeuge, die sowohl statisch als auch im Flug vorgeführt wurden, schon einige Jährchen auf dem Buckel und gehörten nicht mehr zur ersten Garde. Doch die Veranstaltung bot eine gute Gelegenheit, die britische Luftstreitmacht zu präsentieren und die Anstrengungen der RAF in dem vor nicht allzu langer Zeit schwer erkämpften Sieg widerzuspiegeln. Um dies zu demonstrieren, wurde beschlossen, den gewagten Bombenangriff auf das Gefängnis in Amiens im besetzten Frankreich vom 18. Februar 1944 nachzustellen.

Mit diesem Unternehmen konnten mehr als 100 zum Tode verurteilte französische Widerstandskämpfer befreit werden, als die Mosquito die Gefängnismauern mit präzise geworfenen Bomben zerstörten.

Die Abwehr übernahmen sechs »Messer-Spit 109« des Fighter Command, die man äußerlich in deutsche Jäger verwandelte. Bereitgestellt wurden die sechs Spitfire Mk XVI von den beiden zwischen 1949 und 1951 in Chivenor stationierten No. 5 und No. 17 Squadron. Der Amiens-Gedächtnisflug bot nach Meinung des britischen Luftfahrtmagazins Flight »… alles – Dramatik, Aufregung, Inspiration«. Die von Wg Cdr R. W. Cox DSO angeführten Mosquito B.35 Bomber der No 14 und No 98 Squadron führten ihren Angriff in Baumwipfelhöhe auf das Modell des Gefängnisses trotz der wagemutigen Attacken der »feindlichen« Spitfire durch, die dann ihrerseits von Spitfire der RAuxAF angegriffen wurden … anders als bei dem echten Angriff auf Amiens, bei dem Hawker Typhoon den Begleitschutz übernahmen.

Der bekannte britische Luftfahrtfotograf Charles E. Brown hat das Ereignis damals in beeindruckenden Bildern festgehalten. Er begleitete das Spektakel an Bord einer Handley Page Hastings und schoss eine Serie von Aufnahmen der »109«. Doch innerhalb weniger Tage hatten die Spitfire wieder ihre Standard-RAF-Farben und waren zu ihrer täglichen Routine als Zieldarstellungsverband zurückgekehrt.

Einen Nachmittag lang hatten sie jedoch die dunklen Tage wieder aufleben lassen, in denen schwarze Balkenkreuze über England ein nur allzu vertrauter Anblick waren.

Von Nick Stroud

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Fotos: Charles E. Brown via Nick Stroud
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