Zweites Leben für Rarität

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Muscheln überfallen das Wrack
Nicht zur Ruhe kommen sollte hingegen seine Corsair im Michigansee. Sie wurde Anfang der 1990er-Jahre entdeckt: Al Olsen und Taras Lyssenko von dem Bergungsspezialisten A&T Recoveries (siehe auch FLUGZEUG CLASSIC 02/2011, »Eine Helldiver taucht wieder auf«) hatten alle Schiffstagebücher der USS Sable und USS Wolverine ausgewertet. Diese beiden Schaufelraddampfer waren einst zu Übungs-Flugzeugträgern umgebaut worden. Als Hilfsschiffe setzte man sie nur auf dem Michigansee ein – sie waren nicht hochseetauglich. Ein Glücksfall für Olsen und Lyssenko, denn in den Schiffstagebüchern fanden sich jene Flugzeuge, die während des Ausbildungsbetriebs im See versanken.
Darunter eben auch die F4U-1, die in 30 Meilen Entfernung vom Ufer, mit dem Bug im Seegrund steckend, geortet wurde. Das Heck hatte sich vom Rumpf gelöst,
war jedoch noch mit den Steuerseilen verbunden. Damals zeigte sich das Flugzeug noch in gutem Zustand. Doch in den vergangenen Jahren litten die Großen Seen unter dem Befall der eingeschleppten Zebra- und Quagga-Muscheln. Inzwischen war der Rumpf des versunkenen Flugzeugs von diesen Muscheln besiedelt und begann dadurch Schaden zu erleiden.
Die Corsair musste also so schnell wie möglich aus dem Wasser. Kein großer Akt für A&T Recovery. Die Firma hat bis heute 31 Navy-Flugzeuge für das US-Marineflieger-Nationalmuseum (NMNA) in Verbindung mit dem Naval History and Heritage Command(NHHC)-Programm und der US Navy geborgen. Erstaunlich: Die erhebt noch immer Besitzanspruch auf alle ihre Flugzeuge.
Wie bei allen gehobenen Flugzeugen wurde der US Steuerzahler auch bei der Corsair nicht zur Kasse gebeten. Die Bergungen und in einigen Fällen auch die Restaurierungen finanzieren entweder Gruppen oder Einzelne über die Naval Aviation Museum Foundation (Stiftung des Nationalmuseums). Im Fall der F4U-1 zeigte sich Chuck Greenhill äußerst spendabel. Der 76-Jährige ist ein Heeresveteran, Pilot und Warbird-Sammler.
Nachdem die Finanzierung gesichert und die Formalitäten erledigt waren, fuhr A&T Recovery hinaus an die Absturzstelle, barg das Heckteil des Flugzeugs und brachte es zurück nach Waukegan.

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Zweites Leben für eine Rarität (Fotos, soweit nicht anders angegeben, Mark Sheppard)
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