CASA 2.111B in Schleißheim

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Doch gerade deshalb hatten sicher viele Besucher insgeheim davon geträumt, das Flugzeug eines Tages umgebaut in eine »echte« He 111 H-16 mit Jumo-Motoren präsentiert zu bekommen. Doch solche und ähnliche Gedanken zog die Museumsleitung nie in Erwägung. Zurecht versteht man dort die Exponate als technisch-historische Dokumente. Sie sollen durch Erhalt möglichst ihrer gesamten Originalsubstanz so wiederhergestellt und gezeigt werden, wie man sie einst verwendet hat. Vom umfangreichen Aufwand abgesehen, etwa für die Umrüstung der gesamten Ausrüstung auf deutsche Standards, hätte ein derartiger Umbau die individuelle Geschichte des Flugzeugs ganz einfach verfälscht und es als technisch-historische Quelle unbrauchbar gemacht. Auch an den flugfähigen Wiederaufbau hat man nie wirklich gedacht – zu teuer.

Den Lebenslauf der betagten Spanierin zu rekonstruieren entpuppte sich als schwierig. Denn beim Zerlegen kam eine ganze Reihe Werknummern zu Tage – nur nichts Einheitliches. Vielmehr setzt sich das ganze Flugzeug aus einzelnen, individuell über etwa zwei Jahre hinweg gefertigten Baugruppen zusammen. Sie alle tragen eine eigene Werknummernbezeichnung. Mit der Umrüstung von Jumo 211 auf Rolls-Royce-Merlin-Motoren im Jahre 1958 kamen noch ein paar weitere Schilder hinzu. Spanische Luftfahrthistoriker konnten in mühsamer Kleinarbeit dem Flugzeug die »übergeordnete« Werk­nummer 025 zuordnen und gehen davon aus, dass es wohl 1950 die Werkhallen der CASA verlassen hat. Neben diversen anderen Einheiten war die Maschine zwischen 1958 und 1961 bei der G.E.V. (Grupo de Experimentacion en Vuelo; Testfluggruppe) in Torrejon eingesetzt. Damals trug sie das Kennzeichen 64-15 sowie einen typisch zweifarbigen Anstrich – beides optische Ausgangsbasis für ihr heutiges Erscheinungsbild. 1967 wurde die Zweimot ausgemustert und diente ein Jahr später der britischen United Artists als »Komparse« in ihrer berühmten Produktion »Luftschlacht um England«. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde die »He-111« nach Deutschland verkauft, flog dort letztmals im September 1970 und vergammelte anschließend langsam auf dem Flugplatz Siegerland. Sieben Jahre später – noch immer im »Battle of Britain« Look – erwarb das deutsche Museum die mittlerweile erbarmungswürdig aussehende Maschine.

Ihre Restaurierung begann schließlich im Mai 2000. Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme sollte sie zunächst entlackt werden. Doch hier war die Hilfe der Bundeswehr von Nöten; nicht nur wegen der giftigen Grundierung. In der Luftwaffenwerft 13 des Fliegerhorstes Erding ging es ans Abschminken der alten Señora – auf schonende und nebenbei recht umweltfreundliche Art im Dry Stripping Verfahren. Dazu wurden die einzelnen Teile mit einem Kunststoffgranulat gestrahlt und alle alten Farbschichten samt hochgiftiger Grundierung zum Abblättern gebracht. Ab Frühjahr 2001 nahm man die Arbeiten an den einzelnen Baugruppen in Angriff. Für die Restaurierung der beiden Rolls-Royce-Merlin-Motoren war übrigens der Werftverein in privater und rein freiwilliger Arbeit zuständig. Schließlich folgte noch die Wiederherstellung des gesamten Innenraums inklusive der Instrumentierung und Funkausrüstung. Werkstatt-Team wie Museumsleitung haben über die Jahre hervorragend gearbeitet und präsentierten schließlich am 23. Juni dieses Jahres zu Recht voller Stolz ihre CASA 2.111B. Schon allein der Blick ins Cockpit – wenn auch nur von außen – ist einen Besuch in der Flugwerft wert!

von Wolfgang Mühlbauer

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