Messerschmitt Bf 109

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Alle Teile für die Luftschraubenverstellung sind Bodenfunde, die über die Jahre Stück für Stück komplett lauffähig wiederhergestellt wurden. Das übernahm vor allem der 79-jährige Senior Kölzsch. Alt, aber alles andere als zerschlissen sind die Propellerblätter: Sie stammen aus der Fertigung von vor 1945 und waren seitdem sachgerecht gelagert worden – nostalgisches Recycling der besonde-ren Art. In naher Zukunft wird die komplette Luftschraube in einer Spezialwerkstatt ausgewuchtet. Danach soll sie wieder lauf­-
fähig sein!

Wenig erfreut waren die Enten auf einem sächsischen Bauernhof, als man ihnen ihre Behausung in Form eines originalen Erla-Spinners wegnahm. Kölzschs Kennerblick erspähte das Teil zufällig bei einem Spaziergang. Das fehlende Unterteil baute er nach originalen Vorlagen neu auf.

Mit der Hilfe des Motorspezialisten Ewald Keller ließ sich das Drosselklappengehäuse problemlos restaurieren, das nun auf den Einbau vor der Ladeluftleitung wartet. Ein Ölkühler wird derzeit in einer Kühlerwerkstatt aufgearbeitet. »Leider ist es der etwas
flachere Kühler der DB-605-A-Motorenversion«, bedauert Kölzsch. Liebend gern würde er ihn gegen einen größeren Kühler für den DB 605 ASD tauschen.

Die Auspuffstutzen stammen aus verschiedenen Absturzteilen und wurden ebenfalls mühevoll restauriert. Die Motorhaubenträger links und rechts sind das Ergebnis einer Reproduktion in kleiner Stückzahl, die an Kunden in ganz Europa geliefert wurden. Auch die Ladeluftleitungen stammen aus Absturzteilen, Kölzsch muss sie komplett neu fertigen.

In nächster Zeit will er auch die bisher zurückgestellten Arbeiten an den Tragflügeln fortsetzen: »Viele neu eingetroffene Originalteile warten auf Weiterverwendung.« Auch die Flächen werden aus zahlreichen Originalteilen aufgebaut, zum Teil aus überarbeiteten Bodenfunden und zum Teil aus originalen Reparaturblechen.

So dürfte Werner Kölzsch seinem Ziel langsam, aber sicher näher kommen: eine funktionsfähige Messerschmitt Bf 109 G-14 aus möglichst vielen Originalteilen aufzubauen. Nachbauteile will er nach und nach durch Originale ersetzen – Originalität hat höchste Priorität. Und da das Flugzeug sein Hobby ist, hat er sich auch keinen Termin für eine Fertigstellung gesetzt. Schließlich warten weitere Kundenaufträge auf ihn – Kölzsch sitzt schon wieder an neuen Zellen und Rümpfen sowie Gallandhauben und Kastenrahmen.

Noch andere Teile stehen auf der Wunschliste von Werner Kölzsch: Er sucht immer noch eine linke Motorverkleidung für den DB 605 AS, um die Maschine weiter zu vervollständigen. Auf der rechten Motorverkleidung prangt inzwischen das Abzeichen der 8./JG 1, als Erinnerung an ein Pilotenschicksal. Wer Interesse hat, kann Kölzsch über die Website www.koelzsch-restauration.de kontaktieren.

Von Peter W. Cohausz

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