Harlan-»Militärtype«

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Die Umrüstung des 130 PS starken Mercedes-230-Automobilmotors in einen zuverlässigen Flugzeugmotor ging nicht ohne Rückschläge ab. Das selbst konstruierte Planetengetriebe reduziert die Motordrehzahl im Verhältnis 1:3. Nur so war die Verwendung des 2,70 Meter großen und entsprechend langsam drehenden Holzpropellers überhaupt möglich. Der schöne alte »Quirl« aus mehreren Lagen Eschenholz wurde nach einer originalen Vorlage des damaligen Herstellers Garuda gefertigt.

Das Mercedes-Kraftpaket ersetzt den Argus As I, ein 8,5-Liter-Vierzylinder, der damals in fast allen Harlan-Eindeckern verbaut wurde. Anders als der Argus, wird der modifizierte Mercedes per E-Starter angeworfen und wummert erstaunlich ruhig. Der Prop dreht zunächst locker mit und wird erst durch einen Hebel im Cockpit eingekuppelt.

Erstflug höchst ungewiss Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Harlan-Repro auf der ILA 2010. Aber schon seit 2008 steht die Maschine bespannt und (fast) abflugbereit da – und könnte eigentlich schon längst in der Luft sein. Eigentlich! Doch der Weg zum zweiten Baugutachten und zur Erteilung einer VVZ (Vorläufigen Verkehrszulassung) ist bekanntlich mit Papier gepflastert, abgesehen von einer Menge Feinarbeit am Gerät.

Der Wechsel des OUV-Gutachters (Oskar-Ursinus-Vereinigung) machte die Sache nicht einfacher, und auch der ursprünglich vorgesehene Erprobungspilot Heiner Neumann zog sich von dem Vorhaben zurück. Neumann hatte im März 2000 den Erstflug der Etrich-Taube durchgeführt – ein Projekt des inzwischen eingegangenen »Historischen Flugzeugbaus Fürstenwalde« samt Flugplatz Fürstenwalde, der heute komplett mit Solarmodulen gepflastert ist … Jetzt könnte diese Aufgabe Bernd Koschmieder zufallen, der ebenfalls an der Erprobung der Taube beteiligt gewesen war.

Zudem scheint die Reproduktion deutlich schwerer geraten zu sein, als das Original je war. Der Schwerpunkt ist dabei allzu weit nach hinten gerückt, und so machte sich bei den ersten Rollversuchen eine spürbare Schwanzlastigkeit bemerkbar; die rechnerische Schwerpunktermittlung bestätigte diesen Eindruck. Daher wurde beschlossen, Steuerung und Instrumente in den vorderen Sitz zu verlegen und den hinteren Sitz unbelastet zu lassen. Mit diesem kleinen »Trick« soll die Harlan-»Militärtype« in diesem Frühjahr erstmals sicher abheben …

Von Stefan Bartmann

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Harlan-»Militärtype«, Fotos: Stefan Bartmann/Sammlung Bartmann
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