Lockheed F-104 »Starfighter«

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»Witwenmacher? – Unsinn!«
Nur die besten kommen weiter, und bald war der Weg frei zur Luke Air Force Base in Phoenix, Arizona, und damit zum Starfighter, der wohl schönsten Maschine, die je in der Box herumturnte: Eleganz und kraftvolle Dynamik sind Begriffe, die sich aufdrängen – eine Rakete mit extrem kurzen Tragflächen, deren Vorderkanten wie Brotmesser angeschliffen waren. Der erste Fighter, der Mach 2, die doppelte Schallgeschwindigkeit, erreichte. Und doch hat keine Maschine die Öffentlichkeit so polarisiert wie die F-104G, deren Unfälle in den 1960er-Jahren die Medien beschäftigten. »Witwenmacher? – Unsinn!« sagt Manfred Jacob dazu. »Wir fühlten uns sicher und freuten uns auf jeden Einsatz.« Trainingseinsatz wohlgemerkt, denn scharfe Einsätze gab es zu der Zeit nicht. »Den Gedanken haben wir verdrängt. Uns ging es ums Fliegen, Fliegen und nochmals Fliegen.«

Die F-104 war ihrer Zeit weit voraus. Am 28. Februar 1954, ein knappes Jahr nach Kons­truktionsbeginn, war die erste Maschine in der Luft. In der folgenden Zeit konnten spektakuläre Rekorde erflogen werden: 1956 flog sie Mach 2 – als erster serienmäßiger Düsenjäger im Horizontalflug. Zwei Jahre später folgte der Höhenweltrekord von 31512 Metern.

Zu seinen größten Leistungen zählt das J79, das erste Jet-Triebwerk, das Mach 2.0 ermöglichte und sowohl die F-104 als auch später die F-4 Phantom antrieb. Er erhält acht Patente, unter anderem für variable Statoren (Guide Vanes), die durch verstellbare Anströmwinkel über eine große Geschwindigkeitsbandbreite optimal wirksam bleiben und den maximalen Kompressordruck so vehement erhöhen, dass die Ingenieure zuerst an Fehlanzeigen ihrer Messinstrumente glauben.

Zwölf Jahre nach der Messerschmitt Me 262, dem ersten strahlgetriebenen Serienflugzeug, war es wieder ein Deutscher, dem die Entwicklung des Triebwerkes für die geplante F-104 übertragen wurde: 1917 in Frankfurt an der Oder geboren, wandert ein Mann namens Gerhard Neumann 1946 über abenteuerliche Umwege durch Fernost in die USA aus. Ursprünglich zum Mechaniker ausgebildet, entwickelt »Herman the German« sich weiter durch Talent, Eifer und Wissensdrang, wird 1948 Ingenieur bei General Electric und steigt dort zum Leiter der Triebwerkssparte auf.

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Fotos: H. Lage/M. Jacob/J. Voggenreiter
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