Fliegender Intercity

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Spielball der Politik
Deshalb machte die Politik 1959/60 Ernst und zwang die Unternehmen zu weit­reichenden Fusionen, wovon auch die Hubschrauberhersteller nicht verschont blieben. Fairey verkaufte seine Drehflügleraktivitäten am 2. Mai 1960 an Westland. Dort war man durchaus gewillt, das Rotodyne-Programm weiter zu verfolgen. Westland gab im September 1960 sogar die Entwicklung des eigenen Großhubschraubers Westminster auf, um sich nur mehr auf die wesentlich weiter ent­wickelte Rotodyne zu konzentrieren. Im Gegenzug bekam man 4000000 £ Staatshilfen für die Serienreifmachung.

Doch dafür musste vor allem das Lärmproblem gelöst werden. Am 3. März 1961 unternahm XE 521, ausgerüstet mit den bis dahin effektivsten Schalldämpfern, einen Demoflug zum Battersea Heliport mitten in London. Dabei wurde klar nachgewiesen, dass die Roto­dyne kaum lauter als damals übliche Helis war. Einzelne Spitzenwerte traten für nicht einmal zwei Minuten auf, verteilt über Anflug, Landung, Start und Abflug. Trotzdem: BEA blieb unzufrieden, zur Serienreife war es noch immer weit, und am 25. Februar 1962 zog die Regierung die Notbremse. Jede finanzielle Unterstützung wurde eingestellt. Auch das Militär stufte den verbleibenden Entwicklungsaufwand als zu hoch ein. BEA stand zwar zur Kaufabsicht, doch nur bei Einhaltung ihrer Betriebsbedingungen. Die restlichen Interessenten sprangen ab. Westland sah sich außer Stande, das Projekt weiter zu verfolgen. Bis zuletzt hatte man intensiv daran gearbeitet, waren Flugprofile optimiert oder Schalldämpfer verbessert worden. Bis auf 96 Dezibel ließ sich der maximale Geräuschpegel auf dem Teststand reduzieren – was normalem Verkehrslärm an einer stark befahrenen Hauptstraße entspricht. Über 800 zufriedene Fluggäste hatte XE 521 in seiner provisorisch eingerichteten Passagierkabine bis dahin transportiert.

Doch das Schicksal dieses sehr außergewöhnlichen Luftfahrzeugs war besiegelt: Ende des Jahres fiel die einzig fertig gestellte Rotodyne bis auf wenige Teile der Schrottverwertung zum Opfer. Was blieb, sind ein paar Museumsexponate sowie die Erinnerung an ein innovatives Fluggerät, an dessen Leistungsspektrum sich bis heute fast alle Drehflügler die Zähne ausbeißen. In den letzten Jahren allerdings hat man das Grundkonzept wieder belebt – wenn auch nur in kleinem Rahmen und experimentell.    Wolfgang Mühlbauer

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Fliegender Intercity (Fotos, soweit nicht anders angegeben, Fairey Aviation Company Ltd.)
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