Fliegender Intercity

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Jet Gyrodyne
Ziel aller Anstrengungen war die Entwicklung eines Flugschraubers für zunächst 15 bis 20 Passagiere. Erste Studien arbeiteten Dr. Bennett und Captain A.A. Forsyth Anfang 1947 aus. Als Antrieb waren Propellerturbinen vorgesehen, angebracht an Stummelflügeln, die für Entlastung des Rotors im Vorwärtsflug sorgten. Dieser drehte dann im Autorotationsmodus; gleichzeitig übernahmen aerodynamische Ruder die Richtungssteuerung. Innerhalb der nächsten drei Jahre wurden die Entwürfe immer größer. Außerdem entschied man sich für einen Blattspitzenantrieb, wodurch der Drehmomentausgleich entfiel und vergleichsweise einfache Rotorgetriebe ausreichten. In Gang gebracht wurde der Rotor von so genannten Tip-Jets - kleinen Düsenaggregaten, die ein Gemisch aus Kerosin und Pressluft verbrannten, die aus Zusatzkompressoren an den Propellerturbinen stammte. Die Druckluft gelangte durch die hohle Rotorwelle und die hohlen Blätter zu den Tip-Jets, wurde dort mit Treibstoffnebel vermengt und entzündet. Ein Entwicklungstrend, den unter anderem die beiden Ingenieure Stepan und v. Czernim aus den ehemaligen Wiener Neustädter Flugzeugwerken mitgeprägt hatten. Beide beteiligten sich dort von 1941 bis 1945 an der Vollendung des Tragschraubers WNF 342 mit Blattspitzenantrieb. Nach Kriegsende waren beide zunächst in den USA tätig und kamen 1947 zu Fairey. In Hayes initiierten sie den Nachbau ihres ursprünglichen Antriebssystems, das sie schrittweise verbesserten. Neue Testanlagen folgten, etwa für Staustrahlaggregate und Raketen als Antrieb. Beide Technologien gab man aber bis Ende 1950 wieder auf – nicht zuletzt wegen des Treibstoffverbrauchs. Während die zweite Gyrodyne zum passenden Erprobungsträger, Jet Gyrodyne genannt, modifiziert wurde, nahmen zusätzliche Versuchsanlagen in White Waltham Gestalt an. Bis Ende 1953 waren Rotor und Brennkammern der Jet Gyrodyne fertig. Der Erstflug fand im Januar 1954 statt.

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Fliegender Intercity (Fotos, soweit nicht anders angegeben, Fairey Aviation Company Ltd.)
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