Bloch MB 151 und MB 152

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Als Ergebnis der Einsatzerprobung verlangte das Militär unter anderem die Umrüstung auf eine mechanische Fahrwerksverriegelung sowie einen modifizierten Auspuffsammler, der Warmluft für die Vergaser- und die Waffenheizung lieferte. Da auch die Motorkühlung nicht zufriedenstellte, wurden schließlich eine im Durchmesser erweiterte Triebwerksverkleidung mit manuell betätigten Kühlerklappen in die laufende Produktion übernommen sowie zahlreiche Maschinen entsprechend nachgerüstet. Womit das Problem zumindest auf ein vertretbares Maß reduziert blieb. Trotz Engpässen konnte man alle MB 152 mit der vorgesehenen Bewaffnung von zwei 7,5 mm MG und zwei 20 mm MK ausliefern; sie genossen diesbezüglich Vorrang. Ab dem 145. Serienexemplar kam der ebenfalls 1120 PS leistende G&R 14N-49-Motor zum Einbau. Die Truppe erhielt die ersten MB 152 ab 7. März 1939, und am 1. Juli kam es zur Aufstellung einer Erprobungsstaffel in Rheims. Obwohl SNCASO bis Kriegsbeginn 249 Bloch-Jäger beider Versionen gefertigt hatte, waren bis dahin nur 123 vom Militär übernommen worden.

Die restlichen Flug­zeuge warteten – ähnlich wie bei vielen anderen Herstellern – auf wichtige Ausrüstungsteile. Zum Beispiel Funkgeräte oder Propeller. Was dazu führte, dass die Maschinen oft mit dem Luftschraubentyp ausgeliefert wurden, der gerade verfügbar war. Erst am 3. Oktober 1939 erhielt der erste Kampfverband, die Groupe de Chasse (GC, Jagdstaffel) I/1 in Chantilly, die MB 152.

Als die Wehrmacht am 10. Mai 1940 ihren Westfeldzug begann, standen Blochs Jäger bei sieben Jagdstaffeln im Einsatz. Doch lediglich 26 MB 151, deren tatsächlicher Kampfwert eher zweifelhaft war, sowie 75 MB 152 galten als einsatzbereit. Von Beginn an waren Letztere in die Abwehrkämpfe verstrickt, und hier traten ihre offensichtlichen Defizite noch deutlicher zutage: Die MB 152 stieg zögerlich – nicht zuletzt wegen unzuverlässiger Verstellpropeller, die Höchstgeschwindigkeit betrug nur 510 km/h und die Reichweite lediglich 580 km.

Hohe Verluste
Obwohl zu schwer für ihre Motorleistung, hatte sie gegenüber den frühen Bf 109-Versionen trotzdem noch eine gute Figur gemacht. Um sich allerdings mit der Bf 109 E zu messen, war sie letztlich zu schwach auf der Brust. Leistungsmäßig wohlgemerkt, denn auskurven und abschießen konnten ihre meist hervorragend ausgebildeten Piloten gerade diesen Gegner bei zahlreichen Gelegenheiten. Ein großer Pluspunkt der MB 152 war ihre Robustheit. Es gab Fälle, in denen Maschinen trotz Dutzender Einschüsse problemlos nach Hause kamen. Außerdem lag das Flugzeug sehr stabil in der Luft und bildete eine ausgezeichnete und effiziente Waffenplattform. Gut 145 Luftsiege gingen auf das Konto ihrer Piloten, jedoch bei hohen Verlusten: Fast 270 eigene Maschinen wurden abgeschossen oder zerstört – oder einfach zurückgelassen, weshalb nicht wenige Bloch-Jäger deutschen Truppen in die Hände fielen. Bei Waffenstillstand am 25. Juni waren neun Jagd- sowie acht Industrieschutzstaffeln damit ausgerüstet. Vier weitere, darunter zwei Marieneinheiten, rüsteten gerade auf die MB 152 um. Bis dahin hatte SNCASO 622 Exemplare beider Versionen im Rahmen wechselnder Bauaufträge fertiggestellt. 311 davon – 51 MB 151 sowie 260 MB 152 – gingen in die Bestände der Armée de l’Air de l’Armistice (Luftstreitkräfte des Vichy-Regimes) über, die damit sechs Jagdstaffeln aufstellte. Einzelexemplare standen auch im Dienst der Marine. Im November 1942 übernahm die deutsche Luftwaffe alle noch intakten Flugzeuge – insgesamt 173 Stück. 20 davon erhielt offenbar Rumänien, der Rest diente teilweise noch einige Zeit als Trainer oder bei einzelnen Jagdstaffeln, etwa der 2./JG 100. Den Krieg überlebten offenbar nur zwei Exemplare in vernünftigem Zustand; sie flogen 1947 noch für kurze Zeit beim Centre d’Essais en Vol in Bre­tigny. Nur eine einzige MB 152 Zelle
schien noch bis in die 1990er-Jahre erhalten geblieben zu sein. Gerettet von einem Schießplatz und im Museum eingelagert, fiel sie jedoch bald darauf einem Brand zum Opfer.    

Wolfgang Mühlbauer
Herzlichen Dank an Michel Bénichou für die umfangreiche Unterstützung!

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