Armstrong Whitworth 650/660 Argosy

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Erstkunde aus den USA
Anbieten wollte man die A.W.650 entweder als Frachtversion oder für den kombinierten Güter- und Fluggasttransport mit 36 Sitzen sowie als reine Passagiermaschine mit bis zu 86 Plätzen. Die umfangreichen System-, Ermüdungs- und Belastungstests in teilweise neu geschaffenen Versuchseinrichtungen waren nach 5000 simulierten Flugstunden bis Mai 1959 abgeschlossen. Der Bau des Flugzeugs, das mittlerweile den Namen Argosy trug, lief schon seit 1957 und verteilte sich auf drei Zweigwerke des Hawker-Siddley-Konzerns: AVRO produzierte die Tragflächen, Gloster die Leitwerke, Leitwerksträger, Flügelspitzen und äußeren Motorgondeln. Für die Endmontage in Bitteswell sowie die Fertigung aller anderen Zellenkomponenten war A.W. zuständig.

Die erste von zehn Maschinen des Typs A.W.650 Series 100, Kennung G-AOZZ, hob am 8. Januar 1959 mit Eric Franklin im Cockpit zum Erstflug ab. Zwei weitere Maschinen (G-APRL und G-APRM) waren in den Folgemonaten startklar. Alle drei absolvierten ein straffes Erprobungsprogramm, teilweise in den Tropen. Längere Zeit gab es Probleme mit Schwingungen im Leitwerksbereich, hervorgerufen durch Verwirbelungen, sowie Strömungsabrissen auf der Oberseite des Rumpfhecks. Hier machte sich unter anderem der fehlende Dämpfungseffekt eines »normalen« Flugzeughecks bemerkbar. Abhilfe schufen Wirbelerzeuger am Vorderrumpf sowie Abweiser im unteren Rumpfbereich.

Im Dezember 1960 erhielt die Argosy ihr uneingeschränktes Lufttüchtigkeitszeugnis in den USA und Großbritannien. Bereits im Februar 1959 war die erste Bestellung über vier Exemplare von der amerikanischen Riddle Airways aus Miami, Florida, eingegangen. Sie wurde später auf sieben Exemplare, Werksbezeichnung Series 101, aufgestockt. Deshalb trug die G-APRN beim ersten öffentlichen Auftritt der Argosy auf dem Aero Salon Paris im Juni 1959 deren Firmenlackierung. Weitere Verkäufe blieben jedoch aus. Daran änderten auch die Messe in Farnborough ein Vierteljahr später sowie Demonstrationstouren durch Europa nichts. Im August 1960 flog erstmals ein Pilot der British European Airways (BEA) eine A.W.650. Er war insgesamt zufrieden, befand nur die Landung für gewöhnungsbedürftig, da das Flugdeck sehr hoch über dem Boden lag. Zwischen Dezember des Jahres und August 1961 waren alle sieben A.W.650-101 an Riddle ausgeliefert. Die Gesellschaft bediente damit Versorgungsrouten der US Air Force (LOGAIR), wobei sich die Maschinen ausgezeichnet bewährten.

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Der fliegende Tieflade, die Armstrong Whitworth 650/660 Argosy
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