The glorious Making of Catch-22 – Teil 2

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Diese vermeintlich crashende »Mitchell« wird von Frank Tallman persönlich geflogen. Doch er macht nur einen präzisen Touch-and-Go mit Rauchgranate am linken Triebwerk. Tallman verschwindet im Qualm, als die Kamera nachzieht und das bereits brennende Wrack aufnimmt. Es ist die mexikanische XB-HEY, die hierfür geopfert wird (und gleich darauf als längst ausgebrannter Trümmerhaufen mit dem Kennzeichen 6S am Seitenleitwerk in derselben Szene noch mal im Hintergrund auftaucht). Für dieses Kino-Sahnestück sind vier Anläufe notwendig.

Doch nicht immer gehen die haarsträubenden Dreharbeiten gut aus: »Tallmantz Aviation« besitzt seit Jahren eine umgebaute B-25 als Kameraträger für Aufnahmen aus Bug und Heck. Während eines Air-to-Air-Shots kommt es mit diesem Flugzeug zu einem gruseligen Zwischenfall, als John Jordan, der 2. Regisseur, aus der offenen Heckplattform stürzt.
Mike Nichols hat eine illustre Darstellerriege für »Catch-22« zusammengezogen. Er besetzte Neulinge und Stars – etwa die Kinolegende Orson Welles (als General Dreedle), von dem ein Gerücht zu wissen glaubt, eigentlich habe ER die Regie bei »Catch-22« beansprucht… Oder Anthony Perkins (mit »Psycho« zu ungeliebtem Ruhm gelangt) als Albert T. Tappman, dem unglücklichen Geschwaderkaplan. Oder den Sänger Arthur Garfunkel (als Captain Nately). Martin Sheen (als Captain Dobbs) sollte ein paar Jahre später in »Apocalypse Now« glänzen. Drehbuchautor Buck Henry bedachte sich selbst mit der Rolle des zynischen Colonel Korn.

Nichols erste Wahl für Colonel Cathcart – nämlich die vermutliche Idealbesetzung George C. Scott (»Patton«, 1970) – hatte die Rolle abgelehnt; Martin Balsam übernahm stattdessen den schwierigen Part des karrieresüchtigen Cathcart, der seine Staffeln ungerührt mehr und mehr Einsätze fliegen lässt, um selbst in den Generalsrang erhoben zu werden. Die Hauptrolle blieb Alan Arkin vorbehalten, der von der Theaterbühne kommt.

Die Zusammenarbeit dieser vollkommen unterschiedlichen Mimen scheint aber gut geklappt zu haben. »Stoney« Stonich, der die Dreharbeiten aufmerksam mit seiner kleinen Taschenkamera verfolgt und dokumentiert hat, berichtet jedenfalls nicht von ernsthaften Reibungen. Liest man seine Erinnerungen, so hatten die fliegenden Crews wohl den meisten Spaß am turbulenten »Making of Catch-22«.

Erst im Mai 1969 sind die Dreharbeiten in Guaymas beendet. Aus den geplanten sechs Wochen sind ein paar Monate geworden. Bei Addition der Flugbücher wird man auf die erstaunliche Zahl von 1500 Flugstunden kommen, die »Tallmans Air Force« insgesamt in der Luft war. Davon werden lediglich zwölf Minuten (!) im fertig geschnittenen Film auftauchen… Im Übrigen verzichtet der Film auf jegliche Musik; das Dröhnen der Wright-Cyclons ist der einzige Soundtrack.

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