Elly Beinhorn - Der Film

Seiten

EIN STÜCK "HERZKINO" ...

Grundsätzlich habe man sich sehr um eine originalgetreue Darstellung bemüht, versichern die »Alleinflug«-Macher. Ein bisschen nachgeholfen haben die »Herzkino«-Spezialisten dann aber doch, um ihrem Label gerecht zu werden.

Eine asiatisch-persische Episode aus Beinhorns Weltflug von 1932 verlegt das Script kurzerhand in ihr Afrika-Abenteuer von 1931: die Begegnung mit den beiden fliegenden USFernreisenden Moye Stephens und Richard Halliburton, die mit ihrer Stearman (dem »Flying Carpet«) auf östlichem Kurs unterwegs waren.

Und Beinhorns angedichtete Affäre mit Moye Stephens? Nun, ja, ein Stück Herzkino eben. Manches davon ist allerdings hochgradig spekulativ, wenn nicht gar absurd. Nach gängiger Lesart kam Marga von Etzdorf nicht 1935 ums Leben, als sie »Waffen für die Nazis schmuggelte«.

Sie beging im Mai 1933 Selbstmord in Syrien, als ihr ehrgeiziger Alleinflug nach Australien an einer einzigen missglückten Landung bei Aleppo frühzeitig gescheitert war. Die Klemm Kl 32 hatte ihr die Firma zur Verfügung gestellt; ein tragisches Karriere-Ende unter etwas unklaren Umständen.

Doch »Alleinflug« ist keine sachlich-nüchterne Dokumentation, es ist ambitionierte Unterhaltung und nimmt sich die Freiheiten seines Genres. Womit wir beim historischen Hintergrund wären, der den Film übers pittoreske Fliegerabenteuer hinauszuheben imstande ist.

So gesehen, ist »die Beinhorn« starkes Material: eine Ausnahmefliegerin wie nur eine Handvoll anderer fliegender Frauen im NSDeutschland. Der Sogwirkung des nationalsozialistischen Regimes ist sie nicht erlegen, anders als die fanatische Hanna Reitsch, die sich davon nicht lösen konnte.

Vor allem darum ging Elly Beinhorn – wie Ernst Udet – unbefleckt ins Gedächtnis ihrer Landsleute ein. Man darf annehmen, dass dieses freundliche Beinhorn-Bild auch im »Alleinflug«- Film transportiert wird. Nur: In ihrer Autobiografie findet sich kaum eine brauchbare Zeile, die ihr Verhältnis zum NS-Deutschland beleuchten könnte!

Eine auffallende Leerstelle in dem ansonsten ausführlichen Schmöker, in dem Fliegerisches und Familiäres im Vordergrund stehen. (Wer etwas über die Zwangsneurosen des Regimes erfahren will, ist mit Armand van Ishovens glänzend recherchierter Biografie »Udet« vielfach besser bedient!)

In den Kriegsjahren verschwand Elly Beinhorn aus dem Fokus der Öffentlichkeit, und es scheint ihr gefallen zu haben. Sie zog sich ins Familienleben zurück, nachdem sie 1941 ein zweites Mal geheiratet hat. Nach dem Weltkrieg erneuerte sie ihre Fluglizenz in der Schweiz.

Bis ins hohe Alter hat sie Interviews gegeben – als einer der letzten Zeitzeugen aus den »Goldenen Jahren« der deutschen Sportfliegerei. In ihren letzten Lebensjahren fiel ihr das Ertragen der Aufmerksamkeit sichtbar schwer. Wenige Monate nach ihrem 100. Geburtstag ist Elly Beinhorn am 28. November 2007 bei München gestorben. Schon lange vorher, mit 73 Jahren, hatte sie ihre Privatpilotenlizenz zurückgegeben – freiwillig und ohne Bedauern: »52 Jahre sind genug«, hat sie dazu gesagt.

Seiten

TEXT: Stefan Bartmann FOTO: Sammlung Bartmann
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 03/2014. Jetzt abonnieren!
Weitere Themen aus dieser Rubrik

Elly Beinhorn - Der Film

Endlich hat sich das Fernsehen der deutschen Aviatrix Elly Beinhorn angenommen – jenseits freundlich gemeinter Doku-Formate! Im vergangenen Herbst wurde der längst... mehr >

»Der Schneider von Ulm«

»Der Schneider von Ulm« – ein Fliegerfilm? Allerdings! Aber nicht nur. In kaum einem anderen Aviatik-Streifen wird die Fliegerei so dramaturgisch eng mit dem Freiheits... mehr >

The glorious Making of Catch-22 – Teil 2

Im Frühjahr 1969 im mexikanischen Guaymas am Pazifik sieht es aus, als sei der Zweite Weltkrieg noch im Gange – doch es ist nur Regisseur Mike Nichols, sein... mehr >