Elly Beinhorn - Der Film

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STARKER AUFTRITT: LH-TAIFUN

Für die Dreharbeiten wurde die Lufthansa- Taifun von Harald Lichtmannegger geflogen, hauptberuflich A340-Captain bei der LH. Nebenbei gehört der 53-jährige Österreicher auch zum exklusiven Zirkel der Ju-52-Piloten. Arbeit mit Filmleuten kennt er bereits.

Im Falle des »Alleinflug«-Teams war er von dessen Professionalität sehr angetan. Beinhorn-Darstellerin Vicky Kriebs wollte von ihm alles ganz genau wissen, erinnert sich Lichtmannegger – vom korrekten Ein- und Aussteigen bis zu den richtigen Handgriffen im Cockpit.

In der Luft wurde es für ihn schon etwas schwieriger, denn bisweilen spielte das Wetter gegen den Film. Eine Aufnahme musste aus diesem Grund ganz abgesagt werden. Die Produktion nahm’s gelassen und übte keinen Druck auf die beteiligten Piloten aus; Film-Piloten wissen das zu schätzen.

An vier Drehtagen war die D-EBEI für den »Alleinflug« in der Luft, hauptsächlich in Finsterwalde. Bei der Darstellung von Beinhorns berühmten Fernflügen zwischen 1935 und 1936 kam die »Green Screen« als Projektionsfläche der Hintergründe zum Einsatz – für »Flüge« in Gewitter und Turbulenz … Ein mächtiger Kamerakran mit Ausleger sorgte für Action.

Gedreht wurde zwar auch in Kapstadt und an der Grenze zu Namibia – doch keiner der drei beteiligten deutschen Klassiker musste dafür das Land verlassen. Für reale Flugaufnahmen hatte man eine Stearman gechartert. Ansonsten stand die Attrappe einer L 25 zur Verfügung.

Nach den Dreharbeiten ließ man dieses Mock-Up einfach vor Ort zurück; ein typisches Schicksal sperriger »Movie-Props«. Eingeschnittenes Original-Filmmaterial sorgt immer wieder für authentische Rückkopplung mit der Person Elly Beinhorn. Diese wird gespielt von der auffallend unauffälligen Luxemburgerin Vicky Krieps, die den spröden Beinhorn-Typus gut trifft.

Christian Berkel (»Der Untergang«, »Operation Walküre «) übernahm den Part des Ernst Udet, den Elly Beinhorn als eine Art Mentor betrachtet hatte. Als Bernd Rosemeyer ist Max Riemelt (»Napola«) zu sehen. Im Film nimmt die Beziehung Beinhorn/ Rosemeyer freilich breiten Raum ein (siehe Info-Kasten).

Den jungen Werksfahrer bei Auto Union hatte sie 1935 bei einem Rennen kennen gelernt. Im folgenden Jahr wurde geheiratet; Beinhorn hatte lange gezögert. Ihre Karrieren zu Lande und in der Luft gingen ungebremst weiter. Die NS-Größen waren ganz vernarrt in den prestigeträchtigen Motorrennsport, Erfolge wurden mit Fanfaren gefeiert.

In ihrer Autobiografie wird Beinhorn viele Jahre später nur einen einzigen Satz über den Unfalltod ihres Mannes am 28. Januar 1938 verlieren. Noch am selben Tag begannen die Mythenmetze im Propaganda-Ministerium an seinem Nachruhm zu meißeln. Goebbels, geradezu persönlich beleidigt über Rosemeyers ungelegenen Tod bei diesem »tollen und ganz unnötigen Rennen«, hatte einen Helden weniger.

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TEXT: Stefan Bartmann FOTO: Sammlung Bartmann
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 03/2014. Jetzt abonnieren!
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