Elly Beinhorn - Der Film

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KEIN "REISEPROSPEKT"

So nennt sich tatsächlich dieser Sendeplatz, der bei TV-Kennern berühmt-berüchtigt ist für hochglänzende »verfilmte Reiseprospekte «, pendelnd zwischen Cornwall und Kapstadt und anderen Gegenden der Welt … Doch unter demselben Etikett wurde im März 2013 auch der viel beachtete Dreiteiler »Unsere Mütter, unsere Väter« ausgestrahlt: großes Kino, das irgendwie ins kleine Fernsehen geraten ist.

Auch die Beinhorn-Verfilmer entschieden sich zu mehr als »Herz & Schmerz« vor traumhafter Kulisse. Kein deutsches »Out of Africa« mit doof glotzenden Eingeborenen als Statisten, die den fliegenden Herrenmenschen anbeten, wie in dem unerträglichen »Quax in Afrika« von 1943/44. ZDF-Redakteur Axel Laustroer: »Das Leben einer Frau, die zwischen ihrer Berufung und ihrer Sehnsucht nach Familie hin- und hergerissen ist …«

Produzentin Ariane Krampe war jedenfalls von dem »Alleinflug«-Stoff begeistert, musste aber viel Überzeugungsarbeit leisten, um das vielschichtige Thema zu realisieren. Schon vor sechs Jahren schrieb Regisseurin Christine Hartmann ein Exposé und schließlich auch das Drehbuch – »sehr dicht« an Beinhorns gleichnamiger Autobiografie angelehnt.

An synthetisch-virtuelle »Flugaufnahmen« aus dem Hochleistungsrechner haben sich die meisten Fans inzwischen gewöhnt. Umso erfreulicher, dass man in der Beinhorn- Produktion oft den direkten Weg über die Wirklichkeit nahm:

VON DER L20 ZUR BF 108

Klar: Wer die Beinhorn-Story auch fliegerisch überzeugend umsetzen will, muss sich ein paar seltene Flugzeuge beschaffen, die sich untrennbar mit ihrem Namen verbunden haben – von der schwachbrüstigen L 20 bis zur hochmodernen Bf 108. Nicht alles auf dieser Wunschliste ist heute verfügbar, etwa Beinhorns erstes eigenes Flugzeug, die M 23b von Messerschmitt, mit der sie auf Flugschau- Tour ging, kaum dass sie ihre Lizenz in der Tasche hatte.

Anders verhält es sich mit den Klassikern Klemm L 25, Kl 35 und Bf 108 Taifun. Die beiden ersten sind Teil des »Fliegenden Museums « in Dresden/Großenhain, gegründet von Josef Koch und inzwischen in eine Stiftung umgewandelt. Dort und auf dem historischen Flugplatz Finsterwalde/Schacksdorf wurden im vergangenen Oktober wichtige Szenen gedreht.

Dabei saß Brigitte Koch als Beinhorn-Stunt- Double am Steuer. Diese L 25 a I ist das zweitälteste Exemplar dieses Typs in Deutschland, obwohl Bitz-Flugzeugbau bei der aufwendigen Grundüberholung der D-EFTE eine Menge verrottetes Holz über Bord werfen musste.

Noch ein bekannter deutscher Airshow- Klassiker bekam seinen »Alleinflug«-Auftritt: die Bf 108 Taifun (D-EBEI), eine von drei flugfähigen Maschinen dieses Typs hierzulande. Es war Beinhorns erklärtes Lieblingsflugzeug, dem sie den einprägsamen Namen verpasst hatte.

In Willy Messerschmitts Geniestreich fand sie ihr ideales Fernreiseflugzeug – etwa für ihren Flug über drei Kontinente an einem Tag des Jahres 1936 auf der Strecke Damaskus– Kairo–Athen–Berlin. Die Lufthansa-Berlin-Stiftung, die ihren Flugbetrieb in Frankfurt/Main organisiert, hat sich im Jahr 1990 diese Bf 108 B-1 geleistet und in ihrer Hamburger Werft restaurieren lassen.

Die 1940 in Regensburg gebaute W.Nr. 2246 war einst als Verbindungsflugzeug unterwegs, das über Tunesien und Sizilien in die USA geraten war, ehe es die Lufthansa zurückkaufte. Ein weitgereister Vogel also und somit sehr passend für die leidenschaftliche Fernfliegerin Beinhorn, die im Mai 1993 die frisch restaurierte D-EBEI auf ihren Namen getauft hatte.

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TEXT: Stefan Bartmann FOTO: Sammlung Bartmann
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 03/2014. Jetzt abonnieren!
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