Junkers J1: Die Letzte ihrer Art

In Kanada ist eine Junkers J1 ausgestellt worden. Sie gilt als das einzig erhaltene Exemplar jenes legendären fliegenden Schlachtrosses. Während der Restaurierung der Junkers gab es Überraschungen.

Schwermetall: Die Junkers J1 war extrem gepanzert © DEHLA
Schwermetall: Die Junkers J1 war extrem gepanzert

Das Canada Air & Space Museum (CASM) in Ottawa hat jetzt seine außerordentlich seltene Junkers J1, 586/17 (W.Nr. 252), ausgestellt. Die J1 wurde vor drei Jahren untersucht, zusammengebaut und im Reservehangar eingelagert.

Inzwischen hat das Museum herausgefunden, dass die J1 im Jahr 1919 gründlich untersucht worden war. Außerdem hatte man detaillierte Zeichnungen der wichtigsten Bestandteile der Junkers wie Tragflächen und Rumpf angefertigt.

Möglicherweise fußt daher unter anderem jener im Februar 1920 in der renommierten Zeitschrift »Flight« veröffentlichte mehrteilige Untersuchungsbericht über das »Junker Armoured Two-Seater Biplane, Type J1« mit auf dieser Maschine.

Die J1: Eine technische Revolution  

Eigentlich handelt es sich bei dem Kürzel J um ein großes I in altdeutscher Schrift. Es steht für Infanterieflugzeug. Eine spezialisierte Flugzeuggattung zur Nahaufklärung und Nahunterstützung, die seinerzeit nur bei den Deutschen gebräuchlich war.

Da Beschusssicherheit als oberstes Gebot galt, kamen hier letzten Endes hauptsächlich Junkers und seine anfänglich noch wenig akzeptierten »schweren Eisenflugzeuge« zum Zuge.

Das, was unter der Leitung von Dr. Otto Mader konzipiert wurde, glich zu jener Zeit durchaus einer technischen Revolution. Ein verspannungsloser Anderthalbdecker mit einer Rumpfwanne aus Chrom-Nickel-Stahlblechen und mit Wellblech beplankten Tragflächen. 

Vor allem aber ermöglichte er Junkers den erfolgreichen Einstieg in den industriellen Flugzeugbau. Insgesamt 227 Stück der J1 wurden ab Frühjahr 1917 ausgeliefert, die letzten davon im Januar 1919.

Zwar zeigte der erfolgreiche Einsatz der J1, die beim Militär J 4 hieß, keinen messbaren Einfluss auf den Ausgang des Krieges. Doch allein die Tatsache, dass die Siegermächte explizit auf Auslieferung aller nach dem Waffenstillstand verbliebenen Exemplare bestanden, verdeutlicht den technischen Fortschritt, den die Konstruktion insgesamt darstellt.

Die Welligkeitstoleranz der Beplankung der Tragflächen gab es nur bei der J1. Nachdem Junkers die Spezifikationen für jedes der frühen Flugzeuge bestimmt hatte und in der Folgezeit die Art der Welligkeit standardisierte.

Eine potentielle Goldmine

Als man die Ausstellung vorbereitete, reinigte das Museumsteam die Maschine und führte eine vorsichtige Untersuchung des Farbschemas durch. Dieses ist jetzt wieder deutlich zu erkennen.

Die über die Jahre angesammelte Staubschicht hatte das meiste davon verdeckt, jedoch auch vor dem Verbleichen bewahrt. Neue Räder befinden sich in der Herstellung und die Doppelgewinde-Muffen an den Tragflächen-Befestigungspunkten sorgten für hohe Passgenauigkeit. Ansonsten wurde das Flugzeug so belassen, wie es war.

So wurden die Originalmerkmale durch die Restaurierungsarbeiten nicht beeinträchtigt. Die J1 ist eine potenzielle Goldmine, was Informationen anbelangt. Doch vorläufig wird sie ruhig neben ihrem Landsmann, der AEG IV, stehen. Von allen produzierten Junkers J1 besitzt das CASM das einzige noch existierende vollständige Exemplar.

Text: Dave McDonald/Wolfgang Mühlbauer
Fotos: soweit nicht anders angegeben, Jim Buckel

Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 11/2014. Jetzt abonnieren!
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