Wetter-Lexikon:W

Warmsektor

Bereich zwischen Warmfront und Kaltfront einer "jungen Zyklone" (im sog. ausgeprägten Wellenstadium). Nach Durchgang der Warmfront hört der Niederschlag auf, und die Wolkendecke reißt auf. Der Luftdruck bleibt niedrig, die Temperatur steigt, bei Südwest- bis Westwind macht sich eine deutlich wärmere Luftmasse bemerkbar. Die Bewölkung im Warmsektor ist meist gering, allerdings treten im Winter oft niedrige Schichtwolken mit Nieselregen oder Nebel auf. Im Sommer hingegen können im Warmsektor Wolkenbänder von kleinerer Ausdehnung auftreten, in denen sich im Tagesgang extrem hochreichende Gewitterzellen ausbilden, die häufig mit schwerem Hagel und starken Böenlinien verbunden sind.

Wasserdampf

Der Wasserdampfgehalt der Luft schwankt mit der Temperatur: bei 10°C können 30 Gramm, bei -30°C nur 0,4 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter vorhanden sein. Der Wasserdampfgehalt spielt in der Atmosphäre eine entscheidende Rolle, da Luft nur einen bestimmten Maximalbetrag Wasser in gasförmiger Phase enthalten kann. Jede Wasserdampfmenge, die den "Sättigungswert" überschreitet, kondensiert mehr oder weniger schnell zu flüssigem Wasser als Wolke oder Nebel bzw. bildet kleine Eiskristalle. Je größer die Übersättigung wird, um so mehr wird als Niederschlag ausgeschieden. Im Jahresdurchschnitt beträgt der Wasserdampfgehalt der Luft etwa 7 Gramm pro Kubikmeter.

Weihnachtstauwetter

As Weihnachtstauwetter ist eine typische meteorologische Singularität, also ein Witterungsereignis, das mit einer großen statistischen Wahrscheinlichkeit aufzutreten pflegt. In durchschnittlich 4 von 5 Jahren beendet es frühwinterliche Frostperioden kurz vor oder während den Feiertagen, wobei häufig milde Südwestwinde wehen, die selbst in höheren Lagen der Alpen zur Schneeschmelze führen.

Westwetterlage

Stellt eine der häufigsten Wetterlagen in Mitteleuropa dar. Zwischen einem Hoch bei den Azoren und einem Tief bei Island wird vom Atlantik her mit kräftigen Westwinden wolkenreiche Luft herangeführt. Es gibt bei uns häufig Regen. Im Winter beenden Westwetterlagen in den meisten Fällen längere Frostperioden.

Wetter

Zustand und Änderung der (unteren) Atmosphäre (Troposphäre) zu einem bestimmten Zeitpunkt oder während einer kurzen Zeitspanne an einem Ort oder in einem Gebiet, bestimmt durch die meteorologischen Elemente. Die primären Ursachen für das wechselnde Wettergeschehen sind die unterschiedliche Erwärmung der Erdoberfläche und in weiterer Folge der darüberliegenden Luftschichten in Abhängigkeit der geographischen Breite, Land-Meer-Verteilung, Orografie, Bewuchs, Bewölkung, usw. Diese Umsetzung in fühlbare und latente (im Wasserdampf gebundene) Wärme und die daraus folgende vertikale Zirkulation bringen den "Wettermotor" in Gang.

Wetterbeobachtung

Grundlage für jede Wettervorhersage und Klimaforschung. Zur Wetterbeobachtung gehören sowohl die Beobachtungen mit dem freien Auge (Bestimmung der Wolken und des Bedeckungsgrades, Feststellung bestimmter Wettererscheinungen, z.B. Nieselregen oder Gewitter, Zustand der Erdoberfläche) als auch Beobachtungen mit Hilfe von Messgeräten (Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlagsmenge). Ein Teil der Messgeräte ist in einer speziell konstruierten (vor direkter Sonnenstrahlung geschützten) Wetterhütte untergebracht. Meteorologische Beobachtungen bilden die Grundlage der Meteorologie. Während für den Flugwetterdienst die Beobachtungen halbstündlich oder stündlich, für die Zwecke der Synoptik dreistündlich, um 00, 03, 06, 09, 12, 15, 18 und 21 UTC durchgeführt werden, beschränken sich die Beobachtungen für die Erforschung des Klimas auf die drei täglichen Termine um 07, 14 und 21 Uhr Lokalzeit. Die Beobachtungen umfassen alle meteorologischen Elemente; die wichtigsten: Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit (Taupunkt), Bewölkung, Sicht, Wind, Niederschläge und Gewitter.

Wetterhütte

Weißgestrichene Holzhütte mit doppeltem Boden und Dach sowie Jalousienwänden, die der Luft einen ungehinderten Zutritt zu den im Inneren befindlichen meteorologischen Messgeräten erlauben, jedoch die Strahlung, insbesondere der Sonne, abhalten sollen, so dass das (in 2 m Höhe angebrachte) Thermometer möglichst fehlerfrei die Lufttemperatur (Schattentemperatur) anzeigt. Ein Thermometer, das der Sonnenstrahlung direkt ausgesetzt ist, misst nicht die Lufttemperatur, sondern die Temperatur des von der Sonne durch Absorption erwärmten Thermometers und dessen Gehäuse. Die Form und Aufstellung der Hütte ist weitgehend international genormt, um die gemessenen Temperaturen der einzelnen Wetterstationen untereinander vergleichbar zu machen. Die Wetterhütte wird auf einem freien Platz über Rasen in einigem Abstand von Bäumen und Gebäuden aufgestellt; die Tür der Hütte ist nach Norden gerichtet, eine dreistufige Holztreppe ermöglicht die Ablesung der in 2 m Höhe in der Hütte untergebrachten Instrumente: trockenes und feuchtes Thermometer (Psychrometer), Maximum- und Minimumthermometer, Hygrometer, sowie Registrierinstrumente (Thermograph, Hydrograph).

Wetterkarte

Die mehrmals täglich gezeichneten Boden- und Höhenwetterkarten bilden die wichtigsten Unterlagen für dieWettervorhersage. Die analysierten Karten zeigen den dreidimensionalen Aufbau der Wirbel und Wellen der Atmosphäre, der Fronten und übrigen Schlechtwettergebiete mit ihren zeitlichen Änderungen (Verstärkung, Auflösung).

 

Wetterlage

Räumliche Zusammenfassung des Wetters. Dreidimensionale Erklärung und Beschreibung der Lage der Tiefdruck- und Hochdruckgebiete, der Luftmassen und Fronten sowie sonstiger meist komplexer synoptischer Strukturen. Diese Analyse des augenblicklichen Wetterzustandes ist Ausgangspunkt für die Wettervorhersage. Die Gesamtheit der Wetterereignisse für ein größeres Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt geben die Wetterkarten (Boden- und Höhenwetterkarten) wieder. In Abhängigkeit von der atmosphärischen Zirkulation und der Land-Meer-Verteilung kommt es zur Ausbildung typischer Wetterlagen, die auf statistischer Basis klassifiziert werden (Wetterlagenklassifikation). In Mitteleuropa treten häufig auf: Westwetterlage (ostwärts wandernde Tiefdruckgebiete), Islandtief, Azorenhoch, Tief bzw. Hoch über den Britischen Inseln.

Wetterscheide

Als Wetterscheide bezeichnet man die Grenzlinie, die Gebiete mit unterschiedlichem Wetter voneinander trennt. Beispiel Alpen: Föhn auf der Alpennordseite, Regen südlich des Alpenhauptkammes.

Wetterschlüssel

Für die Verbreitung von Wettermeldungen eingeführtes, internationales Verschlüsselungsverfahren, das es ermöglicht, in (meist) sechs Gruppen zu je fünf Zahlen die gesamten, von einer Wetterstation beobachteten Wetterelemente zu erfassen (z. B. Bewölkungsmenge, Wetterzustand, Windrichtung und Geschwindigkeit oder Sichtweite).

Wind

Ausgleichende Luftbewegung zwischen hohem und tiefem Luftdruck, die um so stärker ist, je größer die Luftdruckunterschiede sind. Bei einer nicht rotierenden Erde würde der Wind entsprechend dem Luftdruckgefälle geradlinig vom Hoch ins Tief wehen. Die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft) bewirkt jedoch das Ablenken des Windes (nach rechts auf der Nordhalbkugel, nach links auf der Südhalbkugel). Diese Ablenkung kann in der freien Atmosphäre (oberhalb 1000m) etwa 80 Grad betragen, in Bodennähe jedoch wegen der mehr oder weniger starken Reibung erheblich weniger. In der freien Atmosphäre weht daher der Wind annähernd isobaren- bzw. isohypsenparallel.

Wind-Chill-Index

Wie aus eigener Erfahrung bekannt kann man bei gleicher Temperatur mehr oder weniger frieren bzw. schwitzen. Das hängt maßgeblich von der Windgeschwindigkeit und der Luftfeuchtigkeit ab. Vor allem bei tieferen Temperaturen und höheren Windgeschwindigkeiten entsteht eine effektive Empfindungstemperatur, die weit unter der gemessenen Lufttemperatur liegen kann. Der Wind-chill-Index ist die effektive Empfindungstemperatur, die sich infolge des turbulenten Wärmeentzuges an der Hautoberfläche bei einer bestimmten Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit ergibt. So ist z.B. bei eine Lufttemperatur von 0°C und einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h die effektive Empfindungstemperatur auf der Haut -13°C!

Windgeschwindigkeit

Der Weg der bewegten Luft pro Zeiteinheit; wird in Meter pro Sekunde (m/s) oder Knoten (kt) = Seemeilen bzw. nautische Meilen/Stunde (nm/h) ausgedrückt. Umrechnung der Windgeschwindigkeitsmaße: 1 kt = 1 nm/h = 0,51 m/s = 1,85 km/h; 1 m/s = 1,94 kt = 3,6 km/h; 1 km/h = 0,54 kt = 0,28 m/s. Einfache Faustregel für die Umrechnung von Knoten (im Wetterschlüssel meist angegeben) in Kilometer/Stunde: Wind in Knoten mal 2, dann minus 10% = Wind in km/h.

Windsack

Am offenen Ende durch einen Metallring aufgespreizter Sack aus leichtem Stoff, der an einer Stange aufgehängt durch Füllung und Richtung Windstärke und Windrichtung anzeigt, meist auf Flugplätzen und an Autobahnbrücken.

Winter

Der astronomische Winter beschreibt den Zeitraum vom Sonnentiefststand (Winter-Sonnenwende) bis zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling (22.12. - 20.3.). In der Meteorologie für Mitteleuropa umfasst der Winter die Monate Dezember, Januar und Februar, während der phänomenologische Winter die Zeit vom Abschluss der Feldarbeiten bis zur Apfel- und Fliederblüte umfasst.

Winterregen

Regenfälle, die ihr Maximum in den Wintermonaten haben, dominieren in den Subtropen als mediterraner Winterregen, in höheren Mittelbreiten als ozeanischer Winterregen und in eng begrenzten Tropengegenden (auf der Luvseite der Inseln und Küsten) als Passatregen.

Wolken

Sichtbare Ansammlungen von Wassertröpfchen oder Eisteilchen oder einem Gemisch von beiden in der Atmosphäre. Wolken entstehen, wenn bei Abkühlung der Wasserdampf enthaltenden Luft der Sättigungspunkt überschritten wird und der Wasserdampf kondensiert. Bei Ausfall der Tröpfchen oder Eisteilchen durch zu starkes Anwachsen kommt es zu Niederschlägen. Vom Nebel unterscheiden sich Wolken nur durch ihre Höhe vom Erdboden. Die wichtigsten Grundformen der Wolkenbildung sind die Schichtwolken (Stratus), Haufenwolken (Cumulus), Federwolken (Cirrus) und Regenwolken (Nimbostratus).

Wolkenaufzug

Beim Herannahen einer Warmfront ziehen die Wolken in folgender (idealer) Reihenfolge auf: Cirrus und Cirrostratus, Altostratus und Altocumulus, gefolgt von Nimbostratus und Stratus. Diese charakteristische Wolkenanordnung entsteht an der Aufgleitfläche der Warmfront, die etwa 1 : 300 geneigt ist. Die Warmluft strömt dabei über die Warmfrontfläche auf, welche die Luftmasse zur darunterliegenden Kaltluft abgrenzt, wird gehoben und kühlt sich dabei ab, bis es zur Wolken- und Niederschlagsbildung kommt. Der Wolkenaufzug der Warmfront gilt als verlässlicher.

Wolkenbruch

Sehr starker Niederschlag, in Mitteleuropa definiert ab 60 mm in einer Stunde oder 70 mm in zwei Stunden. Der ausgiebigste Regenfall der Welt wurde am 4. Juli 1956 in Unionville, Maryland/USA gemessen: 31,2 mm in einer Minute; innerhalb von 5 Minuten fielen 63 mm in Portobelo, Panama; 305 mm innerhalb einer Stunde wurden in Holt, US-Bundesstaat Missouri, registriert. 1 mm Niederschlag entspricht 1 Liter Regen pro Quadratmeter.

Wolkenimpfen

Einführung von Substanzen in eine Wolke, die zu Niederschlagsbildung führen sollen. Am häufigsten wird Silberjodid verwendet, eine in Wasser nicht lösliche Substanz, bei der die räumliche Anordnung und der Abstand der Atome dem des Eises sehr ähnlich ist und daher die Bildung von Eiskristallen aus unterkühlten Tropfen fördern soll (Vorbeugung bei Hagelgefahr).

Wolkenscheinwerfer

Gerät zur Messung der Wolkenhöhe, wobei ein Scheinwerfer senkrecht nach oben strahlt und an der Wolkenuntergrenze einen Lichtfleck bildet, der vom Boden aus mittels Pendelquadranten anvisiert wird. Aus der horizontaler Entfernung zwischen Beobachter und Wolkenscheinwerfer (meist 200m) und dem gemessenen Winkel wird die Höhe der Wolkenuntergrenze berechnet.

Quelle: MeteoData