Vielseitiger Sportflieger

Lange bevor Willy Messerschmitt mit der Bf 109 berühmt wurde, machte er mit einem erfolgreichen Sportflugzeug von sich reden. Sparsam konstruiert, erwies sich das Muster als sehr erfolgreich.

Man darf ihr geschätztes Unternehmen zu diesem entzückenden Maschinchen, welches in kurzer Zeit die Herzen aller Sportflieger im Fluge erobern wird, wohl beglückwünschen!« Eine bessere Werbung konnte Willy Messerschmitt für sein 1928 entstandenes Sportflugzeug M 23 wohl kaum bekommen.

Das Urteil stammte von so bekannten Fliegern wie Willy Stör, von Köppen und Erich Offermann. Der freitragende, zweisitzige Tiefdecker in Holzbauweise war extra für den Ostpreußischen Rundflug 1929 entworfen worden. Das erste Muster, die M 23a, hatte noch eine durchgehende Tragfläche, einen kantigen Rumpf und einen 24 PS leistenden Daimler F 7502a.

Aufgrund der schwachen Motorisierung verlief der Verkauf jedoch nur schleppend. In der dritten M 23a baute man deshalb einen Armstrong-Siddeley »Genet« ein, der immerhin 68 PS lieferte. Mit dieser Maschine wurde Theo Croneiß am Ende Gesamtsieger im Ostpreußen-Flug. Die Erfahrungen und Anregungen bekannter Piloten trugen anschließend dazu bei, die Konstruktion der M 23 zu überarbeiten und aerodynamisch zu verfeinern.

Der M 23 gelingt der Durchbruch

Der Rumpfrücken war jetzt abgerundet, die Tragflächen bekamen runde Randbögen und waren am Rumpf anklappbar und zuletzt spendierte man dem Sportflieger auch stärkere Motoren von Siemens, Argus oder ADC, die zwischen 85 und 115 PS lieferten. Zudem entwickelte Messerschmitt auch eine Variante mit Schwimmern.

Mit dieser nunmehr M 23b genannten Version wurden die Bayerischen Flugzeug-Werke sehr bekannt, denn die M 23b gewann den Europa-Rundflug 1929 und einen französischen Wanderpreis. Hinzu kamen abenteuerliche Expeditions-Flüge, die die Sportmaschine mit Ernst Udet am Steuer nach Afrika und Grönland führten.

Die letzte Version war die M 23c für den Europa-Rundflug 1930. Sie hatte ein Rumpfvorderteil aus einer Duralkonstruktion, eine Kabinenhaube und Radbremsen. Als Triebwerk verwendete der Hersteller einen 88 PS starken Siemens Sh 13a oder alternativ einen Argus As 8, der 95 PS erbrachte. Gesamtsieger des Europa-Rundflugs wurde Fritz Morzik mit seiner M 23c.

Sparsam instrumentiert

Insgesamt stellten die Bayerischen Flugzeug- Werke zwischen 1928 und 1931 etwa 80 Messerschmitt M 23 her, von denen allerdings keine erhalten geblieben ist. Die Cockpits der M 23a und b entsprachen dem damaligen Standard. Offen und eher eng ausgelegt, waren sie vielmehr zweckmäßig als bequem. Lediglich eine Sitzpolsterung, die Lederpolsterung um den Rumpfausschnitt und eine kleine Windschutzscheibe boten etwas Komfort für den Piloten.

Dementsprechend fielen auch die Instrumentierungen eher sparsam aus, doch konnten sie bei den Wettbewerbsflugzeugen zuweilen auch etwas besser sein, wie der Einbau von Wendezeigern und Neigungsmessern belegt. Auslegung nach Wunsch Je nach Erscheinungsjahr oder Wunsch des Käufers wurden Rundinstrumente oder auch geradskalige Langgeräte eingebaut.

Die M 23c mit Kabinenhaube gewährte etwas mehr Platz, sodass man die Instrumentenbretter auf dem Rumpf aufsetzte, was einerseits zwar die Sicht nach vorne etwas einschränkte, andererseits aber mehr Raum für die Geräte ließ. Vorgestellt werden hier je ein Cockpit einer M 23b und einer späteren M 23c. Die M 23b mit der Werknummer 449 und der Kennung D-1711 war ein Einzelmuster mit einem 115 PS starken ADC Cirrus III.

Das auf den Namen »Bismarck« getaufte Flugzeug hatte eine sorgfältige aerodynamische Gestaltung mit einem erhöhten Rumpfrücken hinter den Sitzen und einer geschlossenen Motorhaube. Bei der M 23c hatte Messerschmitt den Rumpfrücken an die klappbare Kabinenhaube angepasst.

Text: Peter W. Cohausz - Fotos: Sammlung F. Selinger, Sammlung Cohausz, Sammlung Griehl
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