FW 186 - Tragschrauber mit kurzer Laufbahn

Ende 1935 erhielt Focke Wulf den Auftrag zur Entwicklung von zwei Tragschraubern, von denen der erste als normales Autogiro und der zweite als Sprungstart-Autogiro gebaut werden sollte. Heraus kam die FW 186: schön, aber schwierig zu steuern

Die geplanten Traghubschrauber waren für Verbindungsflüge, Aufklärungs- und Fotoeinsätze gedacht. Den Auftrag für die 186 hatte das RLM nicht zufällig an Focke-Wulf vergeben, denn die Firma hatte zuvor bereits Autogiro-Erfahrungen mit dem Lizenzbau der Cierva C 19 und C 30 erworben.

Beim Tragschrauber treibt der Motor eine konventionelle Luftschraube im Rumpfbug an, während der Rotor durch den Fahrtwind angetrieben wird. Beim Sprungstart-Autogiro kann der Rotor vor dem Start auf den Motor geschaltet und von diesem in Umdrehung gesetzt werden.

Ein Sprungstart beginnt mit dem Anziehen der Radbremsen und der Stellung der Rotorblätter auf 0-Grad-Anstellwinkel. Dann wird der Anstellwinkel plötzlich vergrößert und der Antrieb gleichzeitig auf die Luftschraube geschaltet. Nun steigt der Tragschrauber senkrecht nach oben. Ein normales Autogiro hebt wie ein Flächenflugzeug erst nach einer Anrollstrecke ab.

Entwicklungsphase

Die von Erhard Kosel entworfene FW 186 war eine Weiterentwicklung der bisherigen Tragschrauber. Mit einem stärkeren Motor – dem 240 PS Argus As 10 C – und einer verbesserten Aerodynamik sollte sie die Leistungen ihrer Vorgänger deutlich übertreffen.

Der Rumpf der FW 186 ähnelte in Querschnitt und Aufbau dem der FW 56 »Stößer«, war jedoch als Zweisitzer ausgelegt. Insgesamt wurde die FW 186 zum formschönsten aller bis dahin gebauten Autogiros.

Testpilot E. A. Wohlberg, der zuvor alle von Focke Wulf gebauten C 30 ohne Bruch eingeflogen hatte, stellte allerdings bald fest, dass die Flugeigenschaften der FW 186 alles andere als »formschön« waren.

Beim ersten Flugversuch mit dem Prototypen FW 186 V1, D-ISTQ bekam der Rotor Berührung mit dem Seitenleitwerk. Nach der Reparatur zeigte sich dann beim Erstflug am 27. Juli 1938, dass die Maschine kaum zu steuern war. Bei weiteren Flügen bekam Wohlberg aufgrund seiner Erfahrung die Maschine langsam in den Griff.

Mit Flugkapitän Sander als erstem Copiloten wurde eine erste größere Platzrunde geflogen. Allerdings mussten beide Flieger dabei heftig »knüppeln«, um die FW 186 im Griff zu behalten.

Sander war es dann auch, der Anfang 1939 den letzten Flug mit der FW 186 machte. Dabei nahm er Paul Bauer als Copilot mit, um so mittels Doppelsteuerung zu zweit die Steuerkräfte zu reduzieren.

Die größten Mängel der FW 186 waren die zu hohen Steuerkräfte und ein damit verbundenes starkes Schütteln der Maschine, deren dynamische und mechanische Probleme im verlangten Erprobungszeitraum nicht gelöst werden konnten.

Bis Herbst 1939 blieb die FW 186 V1 im Attrappenraum bei Focke Wulf abgestellt. Am 30.September ist sie dann zusammen mit der nicht mehr fertig gestellten FW 186 V2 zur Verschrottung abtransportiert worden.

Blick ins Cockpit

Die Besatzung der FW 186 saß in zwei offenen Sitzen hintereinander. Vorne der Pilot und hinten der Beobachter. Die Steuerung war doppelt ausgelegt, wobei der hintere Steuerknüppel herausnehmbar war.

Zur Ausrüstung gehörten eine elektrische Anlage und eine frühe Patin- Fernkompassanlage. Vorbereitet waren der Einbau von Bildgerät und Funkanlage. Die Instrumentierung beim Flugzeugführer war überwiegend konventionell angeordnet. Links befanden sich Gashebel, Rotorverstellung, Feuerlöschergriff,

Kraftstoffbehälterschaltung und Zündschalter, in der Mitte die Flugüberwachungs- und Navigationsgeräte sowie rechts die Triebwerksinstrumente. Besonders interessant ist dabei ein aus einem Drehzahlmesser umgebauter Geschwindigkeitsanzeiger für den Rotor.

Unter dem Gerätebrett befanden sich die Bedienelemente für die Rotorfeststellung unddie Trimmung. Am hinteren Sitz waren eine reduzierte Instrumentierung und die Sicherungenfür die elektrische Anlage platziert.

Auf der Gerätetafel blieb noch ausreichend Platz für weitere Ausrüstung. Die hier aufgeführtenAusrüstungslisten wurden nach historischen Fotos zusammengestellt. Nicht alle Gerätewaren eindeutig erkennbar.

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