Erstflug eines Fw-190-Replikats Die »Weiße 14«

Authentisch gestaltete Motorpartie, akribisch umgesetztes Tarnschema – in den USA hat wohl die bisher gelungenste FlugWerk »190« ihr Debut gehabt!

Pratt & Whitney und neue Cowling ergibt authentisches Aussehen: Die Frontpartie der »Weißen 14« sieht sehr originalgetreu aus © Dave McDonald
Pratt & Whitney und neue Cowling ergibt authentisches Aussehen: Die Frontpartie der »Weißen 14« sieht sehr originalgetreu aus
Am 12. Mai dieses Jahres absol­vierte Rudy Frascas FlugWerk FW 190 A-8/N, 990010, N190RF, ihren Jungfernflug. Die Ehre des ersten Fluges hatte Steve Hinton. Das
Focke-Wulf-Replikat war von Matt Nigh­tingale von California AeroFab fertig restauriert worden.

Es ist mit einem DC-3-Propeller ausgerüstet und wird von einem Pratt-&-Whitney-R-2800-Motor angetrieben. Für diesen Antrieb musste die Motorverkleidung nachgearbeitet werden, denn der amerikanische Motor ist etwas größer als der russische Ash82, der normalerweise in der FlugWerk-Zelle eingebaut wird. Überraschendes Resultat: Das Rumpfvorderteil mit dem abgerundeten Profil sieht der originalen Focke-Wulf deutlich ähnlicher. Als der Motor heiß lief und die Öltemperatur weiter als erwartet anstieg, landete Steve Hinton. Nachdem einige Einstellungen geändert worden waren, flog die Maschine zwar am folgenden Morgen wieder, nahm jedoch nicht an der San Bernardino Planes of Fame Airshow in Chino, USA, teil, sondern wurde nur im Park ausgestellt (siehe FLUGZEUG CLASSIC 09/10).

Akribisches Tarnschema

Was an dem Flugzeug aber richtig imponiert, ist die Akribie, mit der die Farbgebung der Maschine ausgeführt worden ist. Nicht irgendeine Tarnung sollte es sein, sondern die eines historischen Vorbilds: Der Jäger trägt das beeindruckende Farbschema der Fw 190 A-8 »Weiße 14«, die das Luftwaffen-Fliegerass Uffz. Oskar Bösch bei der Sturmstaffel 1 und der 11. und 14. Staffel der IV.(Sturm)/JG 3 »Udet« flog. Die »Sturmstaffeln« flogen modifizierte Fw 190 A-8/R2, die als »Sturmböcke bekannt wurden und mit zusätzlicher
Panzerung und 30-Millimeter-MK108-Kanonen ausgerüstet waren (siehe FLUGZEUG CLASSIC 08/10).

Nachdem Bösch einmal selbst Opfer eines Bombenangriffs der Alliierten geworden war, entschloss er sich, in den Verband einzutreten. Seinen ersten Luftsieg erzielte er am 8. Mai 1944. Nach 120 Einsätzen und dem Abschuss von 18 Flugzeugen, darunter sechs B-17 und zwei B-24, kollidierte er in den letzten Kriegstagen mit einer Yak-9 über Berlin. Nach dem Absprung wurde er von Sowjetsoldaten gefangen genommen, konnte jedoch entkommen und schlug sich zu Fuß bis in seine österreichische Heimat durch. 1951 wanderte Oskar Bösch nach Kanada aus, wo er noch heute lebt und viele Jahre als Segelflugpilot verbrachte.

Nach Abschluss der Testflüge wird die Maschine in Rudy Frascas Sammlung auf dem Flugplatz Frasca Field in Illinois gehen.    
 
TEXT und FOTOS: Dave McDonald/Markus Wunderlich
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