Willy Messerschmitt – seine Stiftung, sein Erbe

Jeder kennt Messerschmitt-Flugzeuge, viele die Messerschmitt-Stiftung, aber nur wenige ihre Hintergründe. Wir haben uns in Manching im Flugmuseum Messerschmitt umgesehen.

Willy Messerschmitt – seine Stiftung, sein Erbe und das Flugmuseum Messerschmitt in Manching. © Andreas Zeitler
Das Flugmuseum Messerschmitt in Manching.

Das Flugmuseum Messerschmitt im oberbayerischen Manching mag für einige Aviatik-Fans noch ein Geheimtipp sein. Doch man sollte es kennen. Denn dort hat sich in den letzten Jahren eine sehenswerte Sammlung historischer Messerschmitt-Flugzeuge etabliert – als eine hochinteressante Erweiterung seines Erbes.

Sinn und Zweck einer Stiftung ergeben sich nicht immer geradlinig aus dem Schaffen und Wirken ihres Gründers. So wurde auch die Messerschmitt-Stiftung aufgrund wenig bekannter Umstände von ihrem Initiator in ganz andere Bahnen gelenkt als ursprünglich geplant.

Grundlage und Ausgangspunkt ist natürlich das Lebenswerk von Willy Messerschmitt. Seinen unternehmerischen Erfolg aber verdankte er nicht nur seinen Fähigkeiten als Ingenieur, sondern ganz wesentlich auch seinen Visionen, mit denen er potenzielle Belange der Zukunft erkannte und in seinen Vorhaben ebenso umsetzte wie die Erfordernisse der Gegenwart.

War die 109, die er noch als Chefkonstrukteur der Bayerischen Flugzeugwerke als Bf 109 entwarf, allen vergleichbaren Flugzeugen ein entscheidendes Stück voraus, so war die Me 262 als erstes in Serie gebautes Strahlflugzeug ein Quantensprung in der Geschichte der Luftfahrt.

Drei auf einen Streich

Wie innovativ Willy Messerschmitt die technologische Entwicklung seiner Zeit vorantrieb, lässt sich daran ablesen, dass der Schritt von seinem ersten Motorflugzeug in Holzbauweise (M17), bis zur Me 262 in nur 17 Jahren vollzogen wurde.

Flugzeuge zu konstruieren ist dabei aber immer mit einem hohen Risiko verbunden. Ein Unfall bei der Flugerprobung der M-20 warf Willy Messerschmitt und die Bayerischen Flugzeugwerke (BFW) zurück, bevor sich mit der Neustrukturierung der Luftfahrtindustrie durch das Reichsluftfahrtministerium und seinem Rüstungsauftrag für eine neue Luftwaffe eine neue Aufgabenstellung und Herausforderung ergab.

Nun befanden sich gleichzeitig die Bf 108, Bf 109 und Bf 110 in der Entwicklung. Wobei man der Bf 108 nur neun Monate bis zur Serienreife zugestand. Und das trotz Neuentwicklung einer Ganzmetallkonstruktion in Halbschalenbauweise und eines komplexen Klappensystems mit Vorflügeln. Zügiges Durchziehen von Entwicklungen war sein Markenzeichen, dennoch gab er seine Konstruktionen erst dann frei, wenn sie seinem Qualitätsanspruch genügten.

Aus »Bf« wird »Me«

Durch diese Aufträge des RLM setzte für die relativ kleinen Bayerischen Flugzeugwerke ein gewaltiger Schub vom Lizenznehmer zum Lizenzgeber ein. Man katapultierte sich mit allen zuarbeitenden Firmen an die Spitze sämtlicher Arbeitgeber in der Luftfahrtindustrie.

1938 wurde die Bayerische Flugzeugwerke AG in Messerschmitt AG umbenannt. Von da an trugen die Neukonstruktionen die Bezeichnung »Me«. Mit dem Verbot des Flugzeugbaues durch die Alliierten wurde dem Unternehmen nach Kriegsende die Existenzgrundlage entzogen.

Drei Jahrzehnte nach seinen Anfängen als Flugzeugkonstrukteur stand Willy Messerschmitt wieder mit leeren Händen da. Jedoch mit einem gewaltigen Schatz an Wissen und Erfahrung und nach wie vor erfüllt von Visionen und unternehmerischem Mut. Deshalb prüfte Messerschmitt weitere Optionen, sein Know-how zu realisieren und zu vermarkten.

Mit seinen Projekten einer Windkraftanlage und dem Fertighausbau griff er weit in die Zukunft voraus und riskierte auch Fehlschläge. Mit der Herstellung von Nähmaschinen gelang kein wirtschaftlicher Erfolg, doch wurden Grundlagen für weitere Projekte geschaffen, in denen sich beim Flugzeugbau erworbene Kenntnisse naheliegend einsetzen ließen: der Automobilbau.

Zwar lag Messerschmitt auch mit seinem innovativen P 511 Automobil zu weit vor seiner Zeit und außerhalb der Geduld seiner Investoren, doch konnte er mit dem von Fritz Fend entwickelten Kabinenroller entscheidende Impulse der konzeptionellen und fertigungstechnischen Verbesserungen bis zur Serienreife einbringen. 15.000 Exemplare wurden von diesem Klassiker des aufkeimenden Wirtschaftswunders produziert.

Gleichzeitig entwickelte er in Spanien gemeinsam mit Hispano Aviacion mit der HA 100 zunächst ein Kolbenflugzeug, später dann den Strahltrainer HA 200 und für die ägyptische Luftwaffe den Überschalljäger HA 300, der aber nicht zur Serienproduktion gelangte.

In Deutschland unterlag die HA 200 als Strahltrainer nur knapp der französischen Fouga Magister CM170R. Gemeinsam mit den Heinkel-Werken erhielt Messerschmitt jedoch einen Auftrag zum Lizenzbau, ebenso wie später für die Fiat G91 R3 in der von Dornier angeführten Endmontage.

Synergien und Neuentwicklungen

Auf 14 internationale Hersteller wuchs die Gruppe bei der Lockheed F104 Starfighter, wobei die Messerschmitt-Werke mit 38 Prozent des Arbeitsvolumens den größten Anteil stellten. Die erste für den deutschen Einsatz modifizierte F 104G wurde am 25. Juli 1961 in Manching eingeflogen.

Die Messerschmitt-Werke waren auch an den Helikoptern Bell UH-1D und Sikorsky CH-53G beteiligt, ebenso an der Transall C-160 sowie an der F4 »Phantom II«.

Inzwischen hatte man 1967 durch den Zusammenschluss mit Bölkow und ein Jahr später auch Blohm zur MBB neue Synergien geschaffen, um gemeinsam mit anderen europäischen Herstellern das Projekt NKF anzugehen, das zur Entwicklung des europäischen Gemeinschaftsprojektes Tornado führte. Dessen Erstflug fand 1974 in Manching statt.

Vorbereitung des Erbes

Sein Hauptaugenmerk galt seinem letzten großen Entwicklungsprojekt: dem Verwandlungsflugzeug »Rotorjet«. Ein ziviles Verkehrsflugzeug mit Strahltriebwerken sollte für Senkrechtstart und -landung mit Rotorblättern ausgestattet werden, die während des Schnellfluges eingeklappt und ohne gravierende aerodynamische Einbußen in einer Verkleidung untergebracht werden sollten.

Obwohl durch technologische Machbarkeitsstudien gerechtfertigt, wurde das Projekt von der MBB-Geschäftsführung aus wirtschaftlichen Gründen und schließlich wegen mangelnder Erfolgsaussichten am Weltmarkt eingestellt.

Für Willy Messerschmitt war diese Aufgabe seiner letzten großen Vision eine so bittere Enttäuschung, dass er beschloss, sich keinen neuen Entwicklungsprojekten mehr zuzuwenden, sondern sich jetzt ganz seiner Liebe zur Musik und zur bildnerischen Kunst zu widmen.

Ohne Nachkommen, hatte Messerschmitt sich schon Ende der 1960er-Jahre zur Gründung einer Stiftung entschlossen, in die nach seinem Tode sein Vermögen einfließen sollte. Der ursprüngliche Zweck der Förderung von Aufgaben im Gebiet der Luft- und Raumfahrt wurde aufgrund der so enttäuschenden Beendigung seines letzten Projektes in eine neue Zielsetzung umgewandelt: der satzungsmäßig verankerten »Pflege und Erhaltung deutscher Kunst- und Kulturdenkmäler im In- und Ausland«.

Zum Vorsitzenden des Stiftungsrates bestimmte er Professor Gero Madelung, der diese Position auch heute noch innehat und als naher Verwandter, Zeitzeuge und Wegbegleiter dafür prädestiniert ist. Die Anzahl der bisher geförderten Objekte füllt ganze Bücher. Allein für das Schloss Meseberg brachte die Stiftung 25 Millionen Euro auf.

Flugmuseum Messerschmitt

Anlässlich des 100. Geburtstags von Willy Messerschmitt 1998 wurde in Manching das Messerschmitt-Museum eingerichtet. Das Ziel: die technologischen Pionierleistungen des genialen Konstrukteurs würdigen.

Dabei gelang es, dessen erfolgreichste Muster zu erwerben. Mag die M17 von 1925 eher Insidern bekannt sein, gehört sie doch als sein erstes Motorflugzeug ebenso in diese Sammlung wie die Bf 108, mit der der Durchbruch kam. Dieses Flugzeug war seiner Zeit so weit voraus, dass es aufgrund seiner Leichtbauweise und seiner ausgefeilten aerodynamischen Güte noch heute mit vielen Konstruktionen der Nachkriegszeit mithalten kann. Bekannt wurde die Maschine durch die Rekordflüge von Elly Beinhorn, die ihr auch den Beinamen »Taifun« verlieh.

Die Bf 109 ist gleich in drei Varianten vorhanden: als G-4, G-6 und G-10. Die Me 163 stellt mit ihrem Raketenantrieb einen weiteren Höhepunkt der Konstruktionen dar. Und ganz besonders natürlich die beiden Maschinen mit Strahltriebwerken, die Me 262 als erste serienmäßig hergestellte und die HA 200 als letzte zur Serienreife gelangte Produktion von Willy Messerschmitt.

Statische Exponate findet man überall auf der Welt. Für die Initiatoren des Flugmuseums Messerschmitt gab es demnach nur ein Ziel: eine Präsentation der historischen Flugzeuge im Fluge. In dem von MBB eingerichteten und jetzt von Airbus Defence and Space geführten LTB werden mit viel Aufwand sieben der acht Modelle flugfähig gehalten.

Hinweise auf Besichtigungen und Flugvorführungen finden sich auf der Homepage www.flugmuseum-messerschmitt.de

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