Nur Flügel

Getreu dem Motto »Einen statischen Flieger bauen, kann doch jeder!« hat sich ein ­hessischer Verein das ehrgeizige Ziel gesteckt, einen der sagenumwobenen Horten-IV-Segler nachzubauen und in die Luft zu bringen!

Die eleganten Nurflügler der Gebrüder Horten sind legendär, und die Diskussionen über deren Flugeigenschaften stecken voller Märchen und Mythen, auch weil der letzte Flug einer Horten fast 50 Jahre her ist. Schluss damit: Um festzustellen, wie sich die Horten IV fliegt und welche Leistungen sie tatsächlich bringt, hat der Verein »Hessisches Institut für Luftfahrt e.V.« in Darmstadt einen perfekten Nachbau gefertigt. 

Die Geschichte dieses Nachbaus begann vor etwa zwölf Jahren bei einem Gespräch zwischen Professor Bernd Ewald von der  TU Darmstadt und Chris Wills, dem Vorstand des Vintage Glider Clubs. Wäre es nicht schön, ein Horten-Flugzeug in die Luft zu bekommen? Ewald war sogleich bereit, sich dafür zu engagieren. Er startete das Projekt 2001 mit einem Aufruf in den »VGC-News«: »Können wir einen Horten Nurflügler wieder in die Luft bringen?«

In den folgenden Monaten wurde untersucht, ob sich ein Nachbau realisieren ließe. Zwei H IV hatten in Museen in den USA und in Deutschland überlebt, waren aber nicht mehr flugfähig. Die Dokumentenlage ist durchwachsen, und es war zunächst unklar, ob das für einen flugfähigen Neubau ausreichen würde. Freilich gibt es einige Originalzeichnungen, Fotos, Literatur, die Aussagen von Horten-Piloten und die dokumentierte Rekonstruktion des Horten-IV-Mittelstücks im Deutschen Museum.

Die Angaben zu den Flugleistungen waren jedoch lückenhaft und widersprüchlich. So lag die Gleitzahl je nach Quelle zwischen 1:29,5 und 1:37! Gesichert sind aber angenehme und problemlose Flugeigenschaften mit stabilem Kurvenflug, sehr guten Überzieheigenschaften und keiner Neigung zum Trudeln. 

 

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Text : Peter W. Cohausz
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 06/2013. Jetzt abonnieren!
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