»Natter«, »Komet« und Heinkel 100

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Täuschend echt
Die im Planes of Fame Air Museum in Chino ausgestellten Lucas-Replikate umfassen eine Messerschmitt Me 163 B-1 Komet, eine ­Bachem Ba 349 A-1 Natter und eine Heinkel He 100 D-1. Durch die detailgetreuen Cockpits und die hervorragende Handwerkskunst ist es nicht leicht zu erkennen, dass es sich bei diesen drei Flugzeugen lediglich um maßstabsgetreue Modelle aus Holz handelt.

Die Me 163 war der einzige raketengetriebene Jäger, der im Zweiten Weltkrieg zu Kampfeinsätzen abhob. Es war äußerst gefährlich, ihn zu fliegen, Erfolge gab es kaum. Trotzdem wurden etwa 370 Me 163 hergestellt, von denen 48 bei Kriegsende von den Alliierten erbeutet und 29 von den Siegermächten abtransportiert wurden.

Heute existieren noch zehn Exemplare der »Komet«, die meisten davon als statische Exponate in Australien, Deutschland, Großbritannien und den USA. Neben dem von Lucas für die statische Ausstellung gebauten Replikat gibt es noch eines, das in Deutschland als Segelflugzeug flog.

Einen letzten verzweifelten Versuch, den alliierten Bomberströmen doch noch Herr zu werden,  stellt die Bachem Ba 349 Natter dar. Die »Natter« war ein raketengetriebener Abfangjäger für den »einmaligen Gebrauch«, der mittels einer Führungsschiene senkrecht starten sollte.

Im Kampf sollte der Pilot eine Batterie ungelenkter Raketen auf Bomberverbände abfeuern und anschließend mit dem Fallschirm abspringen. Abgesehen vom Piloten war das Einzige, was von der Natter wieder verwendet werden konnte, das Raketentriebwerk, das ebenfalls am Fallschirm zu Boden sinken sollte.

Insgesamt wurden etwa drei Dutzend Ba 349 Natter hergestellt. Während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs wurden drei Ba 349 A-1 Natter in der Nähe von Kirchheim/Teck stationiert, wo sie gegen amerikanische Bomberverbände eingesetzt werden sollten. Doch General Pattons Panzer erreichten bereits vorher den Startplatz.

Heute existiert nur noch eine einzige Ba 349. Sie ist im Magazin des Smithsonian National Air & Space Museum eingelagert. Eine weitere »Natter«, die aus Teilen, welche den Krieg überstanden haben, zusammengebaut worden war, ist als Prototyp im Deutschen Museum ausgestellt. Ein ausgezeichneter »Nachbau« steht in der Militärgeschichtlichen Sammlung Stetten.

Als Konkurrent der Messerschmitt Bf 109 war die Heinkel He 100 diesem bereits in der Produktion befindlichen Jäger in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie war knapp 100 km/h schneller und übertraf die Reichweite der »109« um 237 Kilometer. Dennoch gab die Luftwaffe der Bf 109 und Bf 110 den Vorzug, da diese Muster den Ansprüchen genügten. Man kann nur spekulieren, ob die He 100 D-1 der Luftschlacht um England einen anderen Verlauf beschert hätte.

Insgesamt wurden 19 He-100-Prototypen und Vorserienmaschinen hergestellt, von denen mehrere nach Japan und Russland exportiert wurden. Einige He-100-D-1-Jäger gingen an einen kleinen, aus Heinkel-Testpiloten bestehenden Verband zur Verteidigung des Heinkel-Werks in Rostock-Marienehe.

Diese waren aus Täuschungsgründen in unterschiedlichen Staffelfarben ausgeführt, um den Alliierten vorzugaukeln, die He 100 sei bereits im Kampfeinsatz. Und tatsächlich behaupteten RAF-Piloten, sie hätten He 100 »abgeschossen«.

Veteranen-»TÜV«
Mit den Replikaten der Me 163, Ba 349 und He 100 schließt das Planes of Fame Air Museum Lücken in seiner Sammlung. Von der Qualität der Nachbauten hatten sich einst die vier Luftwaffenveteranen Wolfgang Späte, Kurt Schulz, Ernst Scheufele und Walter Schuck im Oktober 1992 überzeugt. Späte, Fliegerass mit 99 Luftsiegen, war besonders daran interessiert, einen genauen Blick auf die Komet zu werfen.

Als Kommandeur des Erprobungskommandos 16 flog er am 14. Mai 1944 den allerersten Gefechtseinsatz mit der Me 163. Sein Urteil über den Nachbau der »163«: »Sie entspricht exakt dem Original. Der Hersteller hat ausgezeichnete Arbeit geleistet … Das Replikat besteht zwar aus anderem Material, aber es entspricht auf den Millimeter genau dem Original. Es ist einfach großartig.«

Von Frank B. Mormillo

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»Natter«, »Komet« und Heinkel 100 - Fotos Frank B. Mormillo
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