Harlan-»Militärtype«

Der Harlan-Eindecker zählte einst zu den erfolgreichsten deutschen Flugapparaten auf hiesigen Flugfeldern in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Die einzige Reproduktion wartet auf ihren Erstflug. Von Stefan Bartmann

Flugfähiges Gerät aus den wilden Pionierjahren des Motorflugs bis 1914 ist hierzulande die absolute Seltenheit. Eine dieser Ausnahmen entstand mit bewundernswerter Geduld auf dem brandenburgischen Flugplatz Eggersdorf, östlich der Hauptstadt. Inzwischen ist mehr als ein Jahrzehnt seit Baubeginn vergangen.

An die Popularität der eleganten Etrich-Taube reichte der Harlan-Eindecker zwar nie heran. Aber es wurden Rekorde im Passagierflug mit diesem Flugzeug geflogen, und auch für die Schulung – mit Doppelsteuer – war es tauglich. Die robuste und verstärkte Ausführung (mit zwei Radpaaren) wurde seinerzeit als »Militärtype« betitelt. Der Reproduktion liegt dieses Muster zugrunde.

Bis zum Frühjahr 1914 konnte sich diese Konstruktion von Max Schüler und Karl Grulich durchaus behaupten. Dann zog sich Firmenchef Wolfgang Harlan (der sein Geld als Berliner Taxiunternehmer gemacht hatte) aus dem Flugzeugbau zurück. Nicht eines seiner Flugzeuge hat die Zeiten überdauert.

Genau 85 Jahre später wagte sich Horst Hintzke, Berufsschullehrer aus Fredersdorf, an eine Neuauflage der »Militärtype«. Ganz wie beim Original besteht der Rumpf aus verleimten Eschenholzgurten und geschweißten Knotenblechen für die Rumpfstreben. Bei den Hauptholmen der Tragfläche griff man auf hochfeste Aluprofile zurück; einst wurden verschraubte Profile aus dünnem Stahlblech verwendet. Ungezählte Meter Stahlseil – statt dem damals üblichen Klaviersaitendraht – halten den Harlan zusammen.

Retro-Auto-Mix als Antrieb

Horst Hintzke hat das erste Aufmontieren des Geräts nicht mehr erlebt; im Frühjahr 2003 ist er gestorben. Seitdem bemühen sich Ehefrau Eveline und die beiden Söhne Michael und Carsten um Fortgang und Abschluss des ehrgeizigen Projekts, das schon viel eigenes Geld verschlungen hat. In Eggersdorf errichtete die Familie gar einen eigenen Hangar für den voluminösen Flugapparat!

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Harlan-»Militärtype«, Fotos: Stefan Bartmann/Sammlung Bartmann
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