Nicht ganz bleifrei

Bei so einem Modell muss man nicht überredet werden, es zu bauen: Als Ende März ein Testshot der Mitchell B-25J auf dem Redaktionsschreibtisch lag, hatte ich in Erwartung dieser Riesenzweimot meinen Basteltisch bereits entrümpelt und Platz geschaffen.
Und das war wahrlich nötig. Beim Sichten der 514 Bauteile kam ich aus dem Stauen nicht heraus. Tadellos reproduzierte Teile aus äußerst stabilem Kunststoff, tolle Gravuren auf perfekter Oberfläche, atemberaubend schöne Motoren und eine Inneneinrichtung, die sich sehen lassen kann!

Mit das Beste an dem Kit: Das Flugzeug kann in Modulbauweise gefertigt werden, das heißt, alle Komponenten wie Flügel, Rumpf, Leitwerke, Bombenschacht, Glasbug und so weiter werden einzeln fertig gebaut, lackiert und schlussendlich nur noch zusammengefügt. Optische Krönung sind die hauchdünnen, absolut brillanten Glasteile, die keiner Future-Behandlung bedürfen.

Habe ich etwa das Fahrwerk vergessen? Nein! Zwar ist es – abgesehen vom schwachen Bugfahrwerk – tadellos, trotzdem kann man das eine oder andere daran noch aufpeppen. Einen Rat sollte man tunlichst befolgen: Füttern Sie den Vogel mit Blei, denn der Schwerpunkt liegt zu weit hinten.

Ich nahm ein Millimeter dicke Bleiplatten aus dem Dachdeckerhandel, die man mit einer stabilen Haushaltsschere problemlos in jede beliebige Form schneiden kann. Das Blei lässt sich durch leichtes Andrücken fast jeder Kontur anpassen. Von Bleikugeln aus dem Anglerfundus rate ich ab, da man mit dieser Methode nicht die nötige Dichte erreicht.

Nach fast zwei Tagen des Austarierens mit gut 600 (!) Gramm Blei stand der Vogel gerade so auf seinen drei Beinen, ein etwas stärkerer Luftzug hätte dennoch genügt, ihn wieder zum »Tailsitter« zu degradieren.

Just nachdem dieser Bauabschnitt beendet war, brachte die Firma Scale Aircraft Convertion (32064 zu 16,00 Euro) und seit Kurzem auch G-Factor Models (32056 zu 25,00 Euro) ein Weißmetall-Fahrwerk heraus. Desgleichen geschah mit dem Buggewicht, das von Profimodeller (P32087 zu vier Euro) aus Tschechien kommt.

Die bereits erwähnte Modulbauweise führte in meinem Fall dazu, dass ich mit den wunderschönen Motoren Wright R-2600-29 »Cyclone« begann, die jeweils aus rund 110 Teilen bestehen. Ob Zylinder, Zündgeschirr, Ventildeckelgehäuse, Auspuffsammler oder -stutzen – alles ist nach penibler Lackierung und problemlosem Zusammenbau einfach eine Augenweide.

Danach folgten die Flügel mit separaten Klappen und Querrudern. Die Motorgondeln wurden nach Montage des Hauptfahrwerks eingeklebt, grundiert und das Ganze mit RAF High Speed Silver (X38 von Xtra) vorlackiert. Aus den Flügelunterseiten sprühte ich danach Alu-Metalizertöne von Testors und Alclad auf. Dann folgte das Leitwerk in der gleichen Manier.

Irgendwann verspürte ich Lust, den Bombenschacht zu bauen und zu verfeinern. Ich zog Leitungen, Betriebsstoffrohre und Kabel für die Innenleuchte ein, lackierte das Ganze, klebte die Bomben an ihren Platz und vervollständigte die Sektion.

Doch fügt sich das hinterher auch alles zusammen? Eine Probepassung sollte Klarheit bringen: Je zwei Zapfen in den Rumpfhälften halten den Schacht rüttelfrei in Position. (Teil 2 in der nächsten Ausgabe)

Von Peter Lauerbach/Othmar Hellinger
FLUGZEUG CLASSIC Autor Othmar Hellinger ist Miglied des Plastik-Modellbau-Clubs Erding

Fotos: Othmar Hellinger; Peter Lauerbach
 
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