Messerschmitt Me 262: Schwalbe mit Geweih

Der Modellbautipp aus FLUGZEUG CLASSIC 09/2008: Hersteller wie Trumpeter beleben ihre 32er-Angebot, allein 78 Kits in dieser Kategorie hat er im Angebot. Von Othmar Hellinger (PMC Erding)
Kurt Welters Me 262 B-1a/U1 in der Dämmerung kurz vor dem nächsten Einsatz (Alle Fotos: Othmar Hellinger, Modell: Peter Lauerbach) © Othmar Hellinger
Kurt Welters Me 262 B-1a/U1 in der Dämmerung kurz vor dem nächsten Einsatz (Alle Fotos: Othmar Hellinger, Modell: Peter Lauerbach)
Was waren das doch für Zeiten, als zwar relativ ausreichend Kits im Großmaßstab 1:32 im Handel erhältlich waren, deren Qualität aber – je nach Hersteller – stark schwankte. Man musste, bis auf geringe Ausnahmen, viel Geld für Zurüstsätze und viel Zeit für Korrekturen aufbringen. Momentan allerdings erlebt der »32er« eine Renaissance, und erstaunlich viele Hersteller nehmen sich dieses Maßstabs an. Speziell die Firma Trumpeter schütte ihr Wunderhorn in nicht versiegendem Strom über uns aus, so dass wir angesichts dieser Fülle schon fast wieder kapitulieren: Der Katalog 2008 enthält doch sage und schreibe 78 Kits in 1:32! Einer davon ist die kürzlich erschienene Messerschmitt Me 262 B-1a/U1 in der Nachtjägerversion als »Rote 10«, geflogen von Oberleutnant Kurt Welter bei der 10./NJG 11, Werknummer 110635, im Zustand April 1945.

Zum Bausatz selbst muss man Trumpeter einfach ein großes Lob aussprechen. Angefangen bei der minutiösen Recherche, der klugen Aufteilung bis hin zu der Teile- und Teilchenflut. Von den gut 450 Bauteilen an elf Gussästen benötigt man aber nur etwa zwei Drittel, wenn der Vogel, wie abgebildet, mit geschlossenen Wartungsklappen gebaut wird. Hier steckt aber das Modellbauteufelchen im Detail. Die gelungenen Strukturen auf den Innenseiten der Deckel müssen entfernt und die Außenkanten zirka drei bis vier Millimeter nach innen postkartendünn geschliffen werden, sonst stehen sie gnadenlos über. Letztendlich gibt es eigentlich nichts Wesentliches, das zu kritisieren wäre, außer einem sichtbaren Fehler, den sich Trumpeter unwissentlich geleistet hat: Frühe Maschinen der Me 262 wie diese waren nicht mit einer Federwegschere am Bugrad ausgestattet. Also wegfräsen, wenn man das Metallteil benutzt, und dieses sollte man verwenden, denn dadurch bekommt man wieder etwas Masse vor den Schwerpunkt. Bleigewichte müssen mehr als genug in den Rumpfbug, ich habe zirka 100 Gramm gebraucht, um einen »Static tail strike« zu vermeiden.

Einziger wirklicher Kritikpunkt ist die Wiedergabe der »Roten 10« auf dem Decalbogen. Die Null ist falsch, wie ein Blick auf Originalfotos zeigt. Ich verwendete stattdessen die Decals aus dem Uralt-Kit der »262« von Revell, die sich problemlos aufbringen ließen. Ansonsten erfreuen die gut gedruckten Trumpeter-Decals, sie sind hauchdünn und einfach zu verarbeiten. Nach dem Zusammenbau habe ich den Vogel mit Micro-Mesh poliert und mit Alclad Duraluminium grundiert. Dann mit Gunze Acrylics den Tarnanstrich aufgetragen, und nach einem Tag Trocknen habe ich mit Schleifpapier (1000, 2000, 5000) wieder vorsichtig Farbe an Gebrauchsstellen entfernt, um den typischen Verwitterungseffekt zu imitieren. Um diesen Effekt beizubehalten, verzichtete ich auf eine Mattlackschicht, denn das hätte die Farbdynamik zerstört.

Erfreuliches Fazit

Ein wirklich toller Bausatz zu einem mehr als fairen Preis von etwa 45 Euro. Er hat bis auf einen oder zwei Mini-Wutanfälle Freude gemacht und ist für jeden Jetoder Zweiten Weltkrieg-Freak ein Muss. Ich hoffe, dass sich die Firma Trumpeter noch lange am Markt hält, um uns weiterhin viele glückliche Stunden wie mit der »262« zu schenken.

Kit: 02237
Maßstab: 1:32
Hersteller: Trumpeter
Preis: 54,95 €
Kommentar: Plastik-Spritzgussbausatz, ca. 415 Teile, Decals für die rote 10 und 11, 10./NJG 11
Plus: sehr gute Oberflächenstruktur und Detaillierung, umfangreiche Inneneinrichtung, sauber gedruckte Decals, Metall-Fahrwerk, Fotoätzteile, separate Steuerruder und Klappen
Minus: Passprobleme beim Rumpfdeckel, Teilweise falsche Decals

PETER LAUERBACH/OTHMAR HELLINGER
Othmar Hellinger
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 09/2011. Jetzt abonnieren!
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