Gotha G.IV in 1:32 von WINGNUT WINGS (Teil 2)

Der Gotha-Bomber besitzt auch als Modell Sprengkraft. Denn seine kolossale Spannweite wird die Möglichkeiten meiner Vitrine sehr wahrscheinlich zu »sprengen« wissen …
Vorweg ist zum Zusammenbau zu sagen, dass die Passgenauigkeit aller Teile hervorragend ist. Das mühevolle Spachteln, das ich so oft bei anderen Plastikbausätzen erlebe, fällt praktisch weg. Selbst die kleinsten Baugruppen lassen sich perfekt zusammenfügen.

Wichtig ist, dass man sich absolut an die im Bauplan vorgegebenen Schritte hält. Denn sonst kann es beim Lackieren böse Überraschungen an den Oberflächen geben, da sich die vielen detaillierten Einzelteile schlecht abkleben lassen. Das gilt insbesondere für die im Farbton anders gehaltenen Motorgondeln.

Richtig aufwendig wird es aber erst, wenn während des Baus die Steuerdrähte des Seitenleitwerks und der Höhenruder längs des Rumpfes angebracht werden müssen. So sollte man die Abziehbilder für die Rumpfseiten zuvor aufkleben, da die Seile darüber laufen.

Leider habe ich den Fehler gemacht, eben dies nicht zu beachten. Und es war eine extrem knifflige Angelegenheit, die feuchten Decals nun unter den Drähten durchschieben zu müssen. Der eigentliche Knackpunkt aber ist letztlich das Verspannen der Tragflächen.

Das exakte Spannschema ist im Bauplan sehr gut wiedergegeben. Für die Spanndrähte sind an jedem für sie vorgesehenen Punkt winzige Bohrungen an den Innenflächen vorhanden, um die Spannschlösser aufzunehmen. Allerdings handelt es sich bei den Bohrungen nur um Markierungen, nicht um Löcher.

Eine Möglichkeit, die Drähte anzubringen, besteht nun darin, die Flächen an den Markierungen zu durchbohren, um anschließend die Spanndrähte (0,14 mm) durch die Flächen hindurchzuführen und auf der anderen Seite mit Tesafilm und Cyankleber zu fixieren. Nach dem Spannen, Verkleben und Abschneiden der überstehenden Drähte muss man die Oberseiten an diesen Stellen fein verspachteln und schleifen.

Alternativ könnte man auch selbst Spannschlösser mit Ösen herstellen. Solche sind im Kit nämlich nicht vorhanden, ebenso auch keine Spannmaterialien. Die selbst gemachten Spannösen können dann in die feinen, im Bausatz bereits vorhandenen Bohrungen eingeklebt werden.

Aufgrund der enormen Spannweite der Tragflächen ist es ratsam, während des Verspannens das Modell immer auf seinen Rädern stehen zu lassen. Hebt man nämlich das Modell mit angebauten Tragflächen an, senken sich diese durch ihr Eigengewicht minimal ab, was dazu führen kann, dass der eine oder andere bereits gesicherte Spanndraht durchhängt oder reißt.

Mir unterlief der Fehler, die Verspannung zuerst mit feinstem Silberdraht auszuführen, bis ich dann auf die Idee kam, es mit einer Angelschnur (0,14 mm) zu versuchen. Als Liebhaber von Jet-Modellen war das für mich sozusagen Neuland. Learning by doing.

Um die Angelschur zu verspannen, griff ich auf die erste Variante, das Durchbohren, zurück. Die Spannschlösser stellte ich hierbei durch Antippen mit Fünf-Minuten-Epoxykleber dar. Ein Tröpfchen auf dem Draht an der richtigen Stelle bewirkt, dass ein sehr kleines Kügelchen entsteht, welches schnell hart wird und sich anschließend mit Steel-Silver gut bemalen lässt.

Fazit: Ein wirklich fabelhafter Modellbausatz, der allen Ansprüchen gerecht wird. Nur die Platzfrage in der eigenen Sammlung muss noch geklärt werden. An der Anschaffung einer neuen Vitrine wird man deshalb nicht vorbeikommen.

Von Helmut Scherer/Othmar Hellinger FLUGZEUG CLASSIC
Autor Othmar Hellinger ist Miglied des Plastik-Modellbau-Clubs Erding

Modell & Fotos: Helmut Scherer
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