Fieseler FI 156: Der fliegende Feldherrnhügel

Der Modellbautipp aus FLUGZEUG CLASSIC 07/2008: Langsam, langsamer – »Storch«. Nicht nur seine Flugleistungen beeindruckten, die Fieseler 156 ist eine Legende. Wir haben Tamiyas 1:48-Modell gebaut. Von Othmar Hellinger (PMC Erding).
Von Wegen © Othmar Hellinger
Von Wegen "auf Sand gebaut": Der Bausatz besticht durch umfangreiches Zubehör
Nach einer Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums für ein Kurzstart- und -landeflugzeug begann die Kasseler Firma Fieseler mit der Konstruktion der Fieseler Fi 156, die im Jahr 1936 ihren Erstflug hatte. Der Entwurf war so überzeugend, dass Fieseler für das wegen seines hochbeinigen Fahrwerks als »Storch« bezeichnete Flugzeug den Zuschlag bekam. Nach zehn gefertigten Fi 156 A-0 begann schon die C-Serie vom Band zu laufen, die viele Piloten mit ihren sehr guten Flugleistungen so überzeugte, dass der »Storch« auch in den Luftstreitkräften anderer Länder wie Spanien, Finnland und Italien seinen Dienst verrichtete.

Die bekannteste und auch meistgebaute Variante war die Fi 156 C-3 mit 1755 Stück, die mit einem Tropenkit versehen als C-3/Trop auch im Mittelmeerraum und Nordafrika eingesetzt wurde. Diese Tropenausstattung befand sich nicht permanent im »Storch«; sie konnte jederzeit ein- oder ausgebaut werden. Berühmtheit erlangte der »Storch« als Verbindungs- und Beobachtungsflugzeug von Feldmarschall Erwin Rommel in Nordafrika, wie auch als Beutemaschine auf alliierter Seite beim britischen Premier Winston Churchill oder General Eisenhower an der Normandiefront. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der »Storch« in Frankreich und in der Tschechoslowakei unter der Bezeichnung Morane-Saulnier MS 500/505 Criquet beziehungsweise K-65 Cap einige Zeit weiterproduziert. Heutzutage finden sich noch ein paar Störche in Europa und Nordamerika, die immer gerne auf Flugshows gesehen sind.

Jubiläums-Bausatz

Der Fieseler Fi 156 C »Storch« stellt den einhundertsten 48er-Kit von Tamiya dar. Er wird in hervorragender Qualität mit sechs Figuren und zahlreichen Ausrüstungsgegenständen in einer ansprechenden Aufmachung geliefert. Der Bausatz besteht aus über 160 Plastik-, Ätz- und Metallteilen, wobei die beiden Rumpfhälften schon mit den seitlichen Fensterteilen in einem Stück gespritzt sind. Die Oberflächengestaltung übertrifft alle Erwartungen, selbst die Stoffnaht am Rumpfboden ist hervorragend nachgebildet, und der Kit weist separate Vorflügel, Klappen und Querruder auf. Zu dem sehr detaillierten Motor kommt noch die komplette Cockpiteinrichtung mit Sitzen, Bedienungselementen, Verstrebungen und Instrumentenbrett. Die Einstiegstür auf der rechten Seite kann in geschlossener als auch in offener Position angebracht werden. Der umfangreichen Bau- und Farbgebungsanleitung liegen Decals für fünf Varianten bei. Der Bau des Storches geht problemlos voran; bestimmte Baugruppen können fast parallel gefertigt werden, was auch einen Zeitvorteil mit sich bringt.

Die Passgenauigkeit der Teile überrascht immer wieder bei Tamiya, die Klebekanten müssen nur noch mit feinem Schleifpapier nachbearbeitet werden. Spachtelmasse ist hier überflüssig. In manchen Bereichen des Baufortschritts ist Vorsicht geboten, damit die filigranen Teile nicht zu Bruch gehen, besonders im Bereich des Flügels mit seinen Klappen und Rudern und des Fahrwerks. Gleichzeitig habe ich noch einen VW-Kübelwagen in 1:48 von Tamiya gebaut, um später die beiden Modelle in Szene zu setzen. Die Bemalung wurde bis auf den Endanstrich gemäß der Anleitung durchgeführt. Für den Bau der SF+RL – Variante A – sieht Tamiyas Farbanleitung einen Anstrich für die Oberseiten in Sandbraun RAL 79 und das Mäandermuster in Hellblau RAL 78 vor, Unterseite ebenso Hellblau RAL 78. Nach langer Recherche und Gesprächen mit Fachleuten kam ich zu einem anderen Schluss: Die Kennung der Fi 156 C-3 beließ ich zwar bei SF+RL, aber die Oberseiten erhielten eine Tarnung mit den Grüntönen RAL 70 und RAL 71, das Mäandermuster wurde in Sandbraun RAL 79 und die Unterseite in Hellblau RAL 65 ausgeführt.

Die Begründung: In der Anfangsphase des Afrikafeldzugs wurden Flugzeuge aus der heimischen Produktion mit Standardtarnung an die Luftwaffe ausgeliefert und erst in einer Luftschleuse Süditaliens für den afrikanischen Schauplatz zusätzlich getarnt. Hier spritzte man unter anderem einfach das Mäandermuster mit Sandbraun über den normalen Anstrich. Erst später kamen die Flugzeuge für Afrika im Grundanstrich Oberseite Sandbraun RAL 79 und Unterseite RAL 78 vom Hersteller und wurden ebenfalls in der Schleuse mit zusätzlicher Tarnung versehen – oder auch nicht.

Variantenreiche Tarnung

So flogen Fi 156 lediglich in Sandfarbe, mit olivgrünen Flecken oder olivgrünem Mäandermuster (jeweils auf Sandfarbe). Die Decals brachte ich auf den mit Glanzlack vorbereiteten Oberflächen ohne Probleme an, das Flugzeug wurde zum Schluss mit mattem Klarlack versiegelt. Jetzt konnte die Alterung kommen, dafür verwendete ich Tamiya Weathering Masters. Die Decals für die Seiten des VW-Kübelwagens brachte ich auf den mit Glanzlack vorbereiteten Oberflächen ohne Probleme an, das Flugzeug wurde zum Schluss mit mattem Klarlack versiegelt. Jetzt konnte die Alterung kommen, dafür verwendete ich Tamiya Weathering Masters. Die Decals für die Seiten des VW-Kübelwagens bearbeitete ich nach einer Fotovorlage am PC, druckte sie auf transparent beschichtetem Decalpapier aus und versiegelte den ausgedruckten Teil mit Gunze Mr. Metal Primer. Die Vorgehensweise ist wie bei allen normalen Decals. Auch hier zum Schluss eine Klarlackschicht drüber und fertig ist der »Kübel«. Um das Diorama lebendiger zu machen, sind die Figuren gemäß der Anleitung und entsprechender Literatur bemalt worden. Tamiya hat mit dem »Storch« wieder einmal einen wunderbaren Bausatz auf den Markt gebracht, der uneingeschränkt empfehlenswert ist. Dies gilt ebenso für die Fahrzeuglinie in 1:48. Man darf schon gespannt sein, welches Flugzeug von Tamiya als nächstes im Handel erscheint!

Fieseler Fi 156 C-3 Trop von Tamiya in 1:18

Kit: 61100
Maßstab: 1:48
Hersteller: Tamiya
Preis: ca. 50,00 €
Kommentar: Neuer Plastik-Spritzgussbausatz, ca. 160 Teile, Decals für fünf deutsche Flugzeuge
Plus: sehr gute Oberflächenstruktur und Detaillierung, umfangreiche Inneneinrichtung, technische Meisterleistung beim Aufbau der Teile, wunderbare Decals, umfangreiches Zubehör
Minus: Nichts
Othmar Hellinger
Artikel aus Flugzeug Classic Ausgabe 07/2011. Jetzt abonnieren!
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