Fliegender Intercity

Die ungewöhnliche Fairey Rotodyne versprach echte Umwälzungen im regionalen Luftverkehr. An ihrem Leistungsspektrum beißen sich bis heute fast alle Drehflügler die Zähne aus. Doch trotz aller Stärke blieb die Serienreife ein Wunschtraum. Wolfgang Mühlbauer erklärt warum

Was macht ein etablierter Hersteller von Militärflugzeugen, wenn der Krieg vorbei und stattdessen Abrüstung angesagt ist? Vielleicht einfach auf den nächsten warten? Oder lieber die Erschließung ziviler Marktsegmente vorantreiben? Die britische Fairey Aviation Company Ltd., die sich als Lieferant für Marine- und Seeflugzeuge einen Namen gemacht hatte, ist dafür ein gutes Beispiel. Während des Zweiten Weltkriegs war die Firma zudem in die Massenproduktion der Spitfire eingebunden. Doch ab Sommer 1945 drohten ihr massive Geschäftseinbrüche. Ebenso wie dem Rest der unnatürlich aufgeblähten britischen Luftfahrtindustrie.

Gyrodyne
Erst der unzweifelhafte Beginn des kalten Krieges renkte die militärische Beschaffungslage dann vorerst wieder ein. Um aber bis dahin im veränderten Marktgefüge zu bestehen, stieg Fairey ab April 1946 ernsthaft in die Hubschrauberentwicklung ein. Das noch relativ junge Gebiet der Luftfahrttechnik barg großes Zukunftspotenzial und allgemein gute Absatzchancen. Unter der Leitung von Dr. J.A.J. Bennett formte sich eine tatkräftige Mannschaft im Stammsitz Hayes, nur unweit vom späteren Heathrow Airport. Bennett, zuvor bei der Cierva Autogyro Company tätig, zeichnete verantwortlich für Faireys erstes experimentelles Rotorflugzeug: die FB-1 Gyrodyne (siehe FLUGZEUG CLASSIC 05/2009). Im Gegensatz zum Autogyro war der Rotor dieses Verwandlungshub- oder Verbundtragschraubers direkt angetrieben, während ein einzelner Propeller am äußeren Ende des rechten Stummelflügels Vortrieb und Drehmomentausgleich übernahm. Die Regierung finanzierte zwei Exemplare. Nummer eins flog am 7. Dezember 1947 erstmals und brach im darauf folgenden Juni mit 200,04 km/h den Geschwindigkeitsweltrekord für Drehflügler. Doch die Maschine ging am 17. April 1949 verloren, beide Insassen starben. Als Unfallursache gilt Materialermüdung im Bereich des Rotorkopfes. Die Entwicklung der FB-1 wurde daraufhin eingestellt, der zweite Prototyp später umfangreich modifiziert.

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Fliegender Intercity (Fotos, soweit nicht anders angegeben, Fairey Aviation Company Ltd.)
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