Boulton Paul Defiant

Jäger mit Drehturm – dieses Konzept verdankt die RAF einem Missgeschick. In der Boulton Paul Defiant wurde es umgesetzt, dieses Flugzeug war als dritte Säule englischer Luftverteidigung gedacht. Doch wurde sie diesem Anspruch auch gerecht?

Streng genommen geht das Konzept des sogenannten Turret Fighters (Jäger mit Drehturm) auf den Ersten Weltkrieg zurück. Einige der frühen Jagdflugzeuge hatten eine zweiköpfige Besatzung, nämlich Pilot und Bordschütze. Doch mit der Einführung des Unterbrechergestänges zum sicheren Schießen durch den Propellerkreis wurde der einsitzige Jäger bald Usus. Das britische Royal Flying Corps ließ dennoch nicht ganz vom »alten« Konzept ab und setzte, nachdem die richtigen Taktiken gefunden waren, durchaus erfolgreich zweisitzige Jagdmaschinen ein. Allen voran die Bristol F2b. Nicht nur, dass hier vier Augen mehr sahen als zwei, man hatte auch teilweise doppelte Feuerkraft dank starrer Bug- und beweglicher Heckwaffen zur Verfügung. Ein Ziel ließ sich so oft länger beschießen als mit einem herkömmlichen Jäger.

Trotzdem wurde das Konzept nach Kriegsende kaum weiterverfolgt. Bis es zu einem kuriosen »Missgeschick« kam, mit dem sich die Royal Air Force 1930 bei der Einführung des leichten Bombers Hawker Hart quasi selbst technisch bloßgestellt hatte – die zweisitzige Hart war schneller als jeder zeitgenössische Jäger, nicht nur im Dienst der RAF! Bis also die Jagdflieger technisch wieder aufgeholt hatten, musste eine Zwischenlösung her. Die fand sich mit der zweisitzigen Hawker Demon, abgeleitet aus der Hart. Eine Sonderversion, die Turret Demon, hatte schließlich einen hydraulisch gesteuerten Fraser-Nash-Drehturm mit zwei MG.

Ziel: Bomberzerstörer
Besonders beunruhigend wirkte Anfang der 1930er-Jahre die Entwicklung mehrmotoriger Kampfflugzeuge. Bislang kons­truktiv eher im Ersten Weltkrieg stehengeblieben, hatten sie sich innerhalb weniger Jahre teilweise zu regelrechten Trendsettern in punkto Leistung und Aerodynamik gewandelt. Eine Entwicklung, die ihren Ausgangspunkt im zivilen Flugzeugbau genommen hatte. Bald schon glaubte sich England – wie im Ersten Weltkrieg – von künftigen deutschen Bomberflotten bedroht. Hier kam nun der Turret Fighter ins Spiel. Er schien ideal zur Vernichtung feindlicher Bomberformationen, sollte im geschlossenen Verband angreifen und musste sich nicht einmal selbst verteidigen können, da die Bomber zwangsweise alleine unterwegs wären. Denn ein Langstreckenjäger, der sie aus Deutschland den ganzen Weg über begleiten könnte, galt als technisch unmöglich.

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