Armstrong Whitworth 650/660 Argosy

Sieht aus wie eine missglückte Kreuzung zwischen Jumbo-Jet und B-24 samt Doppelrumpf, schafft aber gewaltig was weg: Wie die Argosy Anfang der 1950er-Jahre mit ihrem Niederflur-Laderaum den Frachtumschlag beschleunigte.

Von Wolfgang Mühlbauer

Trotz ihrer Leistungs­schwächen war die Armstrong Whitworth A.W.650/660  Argosy lange Zeit Spitzen­reiter im schnellen Frachtumschlag. Kein Wunder, dass auch das Militär ein Auge auf die Viermot mit dem eigenwilligen Aussehen warf.

Duncan Sandys und sein Weißbuch der Verteidigung sind bis heute Schreckgespenster für die britische Luftfahrtindustrie. Kaum etwas anderes hatte in den vergangenen 60 Jahren derart einschneidende Wirkung auf die Branche wie das Werk des britischen Verteidigungsministers. Das Papier wurde 1957 herausgegeben und propagierte den radikalen Umbau der Luftstreitkräfte weg vom Kampf- flugzeug hin zum unbemannten Flugkörper. In der Folgezeit ließ Sandys zahlreiche Projekte einfrieren oder streichen und trieb die Fusionierung einheimischer Luftfahrtunternehmen voran. Während ersteres auf seinen Erfahrungen als Chefkoordinator bei der Abwehr der deutschen Marschflugkörper V1 fußte, geschah letzteres vor dem Hintergrund klammer Staatskassen sowie der anhaltend schlechten Wirtschaftslage.

Schon länger steuerte die Regierung deshalb auf einen strammen Sparkurs zu, dem zwangsweise ein Umdenken der Wirtschaft folgte. Die musste sich mehr und mehr auf den tatsächlichen ökonomischen Nutzen ihrer Aktivitäten konzentrieren. Kostenreduzierung bei Planung und Produktion erhielt immer stärker Vorrang. Nicht zuletzt, da die erste Phase des kalten Krieges mit ihren gewaltigen Rüstungsanstrengungen zu Ende ging. Trotzdem, erst jenes Weißbuch ließ die militärische Luftfahrtindustrie glauben, dass die Lichter wirklich auszugehen drohten. Erneut drängte man auf den zivilen Markt, und zwar stärker als in den ersten Nachkriegsjahren.

So auch die Armstrong Whitworth Aircraft Company (A.W.). Der traditionsreiche Flugzeugfabrikant rang sich im Spätsommer 1956 zur rein privat finanzierten Entwicklung einer zivilen Frachtmaschine durch. Deren Konzept kam aber keineswegs aus dem Nichts, sondern ging auf das gescheiterte Vorhaben eines modernen Militärtransporters für Mittelstrecken zurück. Mitte 1955 hatte man sich nämlich an der Ausschreibung OR323 für ein entsprechendes Flugzeug beteiligt.

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Der fliegende Tieflade, die Armstrong Whitworth 650/660 Argosy
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